Klettergarten – Frau beim Outdoor-Klettern mit Kletterhelm.

Outdoor-Klettern & -Bouldern als Freizeitaktivität

Beim Bouldern und Klettern am Fels spürst Du das raue, kühle Gestein unter den Fingerspitzen, die frische Luft in der Lunge und die Verbundenheit mit der Natur. Zudem birgt das Klettern an einem natürlichen Kletterfelsen viele spannende Herausforderungen und lässt die Herzen von Kletterfans höherschlagen. Wir erklären Dir, was das Besondere am Outdoor-Bouldern und Klettern am Fels ist und was Du dabei beachten solltest.

Unterschiede zur Halle und Voraussetzungen fürs Outdoor-Klettern

Das Klettern im Klettergarten oder die ersten Versuche beim Bouldern draussen in der Natur unterscheiden sich deutlich vom Klettern und Bouldern in der Halle. Am Kletterfelsen warten neue Herausforderungen auf Dich, die Dein Können fordern und es ermöglichen, dass Du über Dich selbst hinauswächst.

Am Kletterfelsen bist Du nicht nur Wind und Wetter ausgesetzt, sondern musst auch Deine Klettertechniken anpassen und Dich neu orientieren. In der Halle sind die Kletterrouten meist relativ gerade und auffällig markiert. In der Natur gibt jedoch die natürliche Form des Felsens die Route vor, die dann teilweise auch diagonal verlaufen kann und eigenständig von Dir gefunden werden muss. Zudem musst Du die Griffe und Tritte, wie Du sie aus der Halle kennst, im natürlichen Relief des Felsens erst erspähen und erfühlen. Sie sind oft viel kleiner als in der Halle und können im schlimmsten Fall ausbrechen, wenn Du sie benutzen möchtest.

In der Halle werden Dir zudem regelmässig Zwischensicherungen bereitgestellt, am Kletterfelsen hingegen gibt es weniger Bolts, die in grösseren Abständen angebracht sind. Somit muss auch der Sichernde beim Outdoor-Klettern immer fokussiert bleiben. Am Ende Deiner Kletterroute erwartet Dich am Kletterfels oft kein Umlenker, wie in der Halle, sondern ein zugeschweisster Abseilring oder ein Kettenglied. Hier kann der Kletterer nicht einfach das Seil einhängen, sondern muss sich erst ausbinden, das Seil durchfädeln und sich dann wieder mit dem Seil sichern. Trainiere deshalb vorher, wie Du Dich hier selbstsichern und das Seil fixieren kannst, damit Dich der Sichernde langsam ablassen kann.

Das Outdoor-Klettern und -Bouldern bietet Dir die Chance, Deine Techniken zu verfeinern und Dein Kletter-Wissen zu vertiefen. Damit Dein erster Besuch im Klettergarten erfolgreich verläuft, solltest Du daher folgende Voraussetzungen erfüllen[1]:

  • Fundierte Kenntnisse zum Klettern im Vorstieg: Nur wenn Du beim Klettern im Vorstieg Erfahrungen gesammelt hast, kannst Du im Klettergarten sicher klettern.
  • Gute Planungsfähigkeit: Plane Deine Route voraus, damit Du beim Klettern nicht stecken bleibst. So sparst Du unterwegs Kraft.
  • Gute Selbsteinschätzung: Schätze realistisch ein, ob Du die geplante Tour schaffen kannst oder ob Du lieber eine leichtere wählen solltest. Generell empfiehlt es sich, bei den ersten Kletter- und Bouldersessions im Freien zwei bis drei Schwierigkeitsstufen unter der Leistungsgrenze zu bleiben.

CheckDer Fels ist ein empfindliches und einzigartiges Ökosystem, das Du beim Klettern und Bouldern nicht stören oder beschädigen solltest. Informationen zum richtigen Verhalten und zum Klettern im Einklang mit der Natur findest Du im Artikel „Naturverträgliches Klettern“.

CheckDer Fels ist ein empfindliches und einzigartiges Ökosystem, das Du beim Klettern und Bouldern nicht stören oder beschädigen solltest. Informationen zum richtigen Verhalten und zum Klettern im Einklang mit der Natur findest Du im Artikel „Naturverträgliches Klettern“.

Die passende Ausrüstung für den Klettergarten

Beim Outdoor-Klettern und Bouldern in der Natur benötigst Du mehr Equipment als in der warmen Halle. Draussen musst Du den Wetterbedingungen trotzen und brauchst zusätzlich zu Deiner Standard-Kletterausrüstung ein umfangreicheres Sicherheitsequipment. Damit es Dir bei Deinem Kletter- und/oder Bouldertrip in den Klettergarten an nichts fehlt, solltest Du zuerst folgende Dinge in Deinen Kletterrucksack packen:

  • Aktueller Kletterführer für die Zielregion
  • Wetterfeste Kletterkleidung (im Zwiebelsystem) & ggf. Wechselkleidung
  • Nachhaltige Trinkflasche mit ausreichend Wasser
  • Proviant
  • Stirn-/Taschenlampe
  • Handcreme
  • Erste-Hilfe Set mit Blasenpflastern & persönlichen Medikamenten
  • Aufgeladenes Telefon

Zudem solltest Du immer Müllbeutel einpacken, um den Klettergarten und das Gebiet um den Kletterfelsen sauber zu halten. Im Sommer gilt es, auf den richtigen Sonnenschutz für Sportler zu achten und eine wasserfeste Sonnencreme mit hohem UV-Schutz zu verwenden. Bei kälteren Temperaturen empfiehlt es sich, eine Isolationsjacke sowie Mütze und Handschuhe mitzunehmen.

Ausrüstung fürs Outdoor-Klettern

Das Klettern am Fels ist anspruchsvoller, da die natürlichen Bedingungen des Felsens die Route vorgeben. Um sicher im Klettergarten unterwegs zu sein und Spass an der Klettertour haben zu können, empfiehlt sich folgendes zusätzliches Equipment[2]:

  • Kletterhelm
  • 10 – 15 Expressen (2 Karabiner, die durch eine Schlinge verbunden sind)
  • Lange Expressschlingen
  • Schraubkarabiner
  • Bandschlingen
  • Abseilgerät
  • Mobile Zwischensicherungen
  • Langes Outdoor-Seil mit Seilsack
  • Clipstick

HinweisBeim Klettern und Sichern am Kletterfelsen solltest Du stets Deinen Kopf mit einem geeigneten Kletterhelm vor herunterfallenden Steinen oder Geröll schützen.

HinweisBeim Klettern und Sichern am Kletterfelsen solltest Du stets Deinen Kopf mit einem geeigneten Kletterhelm vor herunterfallenden Steinen oder Geröll schützen.

Ausrüstung fürs Outdoor-Bouldern

Beim Outdoor-Bouldern brauchst Du im Gegensatz zum Klettern am Fels weniger Ausrüstung, um sicher unterwegs zu sein. Zusätzlich zu Deinem gewohnten Boulderequipment benötigst Du ausserdem:

  • Klettertape
  • Bouldermatte (auch Crashpad genannt)

Mehr benötigst Du nicht, um beim Outdoor-Bouldern Spass an der Bewegung an der frischen Luft zu haben. Achte bei der Wahl Deiner Bouldermatte darauf, dass sie auf eine gewisse Sturzhöhe ausgelegt ist. Möchtest Du am Boulderfels höher als die üblichen vier oder fünf Meter klettern, dann sollte Dein Crashpad eine zusätzliche Polsterung besitzen.

Outdoor-Bouldern – Paar bouldert draussen mit Crashpad und richtigem Spotten

Sicherheitstipps für das Outdoor-Klettern

Bei der Planung Deines Ausflugs an den Kletterfelsen solltest Du sorgfältig vorgehen und Dich gründlich über den Fels (Beschaffenheit, Sicherungsbedingungen, Sperrzeiten usw.) und die Umgebung informieren. Dafür kannst Du aktuelle Kletterführer sowie Erfahrungsberichte von Kletterkollegen aus dem Internet nutzen. Bei Deiner ersten Klettertour im Klettergarten ist es empfehlenswert, einen erfahrenen Trainer mitzunehmen, der Dir wichtige Hinweise und Tipps zur Klettertechnik fürs Outdoor-Klettern und -Bouldern sowie zur Ökologie und Sicherheit geben kann.

Wenn Du am Kletter- oder Boulderfelsen angekommen bist, solltest Du zunächst immer einen Risikocheck vornehmen. Unwetterschäden oder abgebrochene Haken werden oft nicht gemeldet und können dadurch nicht vom zuständigen Verein oder Betreiber repariert werden. Zudem solltest Du beim Anlegen Deines Klettergurtes prüfen, ob alles richtig geordnet ist, damit Du immer die richtigen Expressen zur Hand hast. Achte darauf, dass die Expressen nach Grösse (kurz vorn, lang hinten) geordnet sind und in die richtige Richtung zeigen. Zudem solltest Du immer ein bis zwei zusätzliche Expressen zu der im Kletterführer angegebenen Anzahl einpacken.

Natürlich gelten im Klettergarten grundsätzlich die gleichen Sicherheitsregeln wie in der Kletterhalle. Die Selbstkontrolle und der Partnercheck sind hier besonders wichtig. Achte zudem darauf, dass sich im Seilende ein Knoten befindet und halte den Sturzraum frei.  

AchtungAchte bei schräg verlaufenden Tour-Abschnitten darauf, dass die Öffnungen der Haken immer von der Kletterrichtung weg zeigen. Zudem muss das Seil immer von hinten nach vorn durch den Karabiner geführt werden.

AchtungAchte bei schräg verlaufenden Tour-Abschnitten darauf, dass die Öffnungen der Haken immer von der Kletterrichtung weg zeigen. Zudem muss das Seil immer von hinten nach vorn durch den Karabiner geführt werden.

Gerade beim Outdoor-Bouldern und auf den ersten Metern beim Kletten am Fels ist es wichtig, dass Dein Kletter- oder Boulderpartner Dich spottet – Dir also eine Hilfestellung für das sichere Fallen bietet. Ein Spotter sorgt dafür, dass Du beim Fallen auf den Beinen und nicht auf dem Rücken landest. Dafür steht er circa einen Meter vom Lot des Kletterers hinter ihm mit ausgestreckten Armen. Sollte der Kletterer fallen, gibt der Spotter ihm mit beiden Händen einen Stoss in die Schulter, sodass der Kletterer mit den Füssen voran auf dem Crashpad aufkommt. Trainiere das richtige Spotten vorher mit einem erfahrenen Trainer, damit Du es selbstständig im Klettergarten anwenden kannst.

Infos und Tipps zum Outdoor-Klettern mit Kindern

Möchtest Du einen Ausflug in den Klettergarten mit Deinen Kindern unternehmen, ist es wichtig, dass Du diesen Tag im Vorfeld gut planst. Dein Kind sollte bereits in der sicheren Umgebung der Halle trainiert und eine gute Klettertechnik erlernt haben, bevor Ihr Euch zusammen an den Boulder- oder Kletterfelsen wagt.

Klettergarten Kinder – Mädchen beim Klettern am Fels

Ein sicherer Klettergarten für Kinder zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus[3]:

  • Sicheres, flaches Gelände
  • Kurze Zustiegswege
  • Sanierte, kürzere, möglichst gerade Routen
  • Kompakter, nicht brüchiger Fels

Klettergärten mit diesen Eigenschaften eignen sich hervorragend für die ersten Ausflüge in den Klettergarten mit Deinen Kindern. Führe sie dabei spielerisch an die neue Kletterumgebung heran. Lass sie zunächst ausgiebig die Umgebung erkunden und den Kletterfelsen fühlen. Wenn möglich, kannst Du sie auch erstmal am Kletterfels entlang abseilen, damit sie ein Gefühl für den Fels, die Höhe und die Unterschiede zur Halle bekommen.

Bist Du Dir dabei unsicher, gibt es erfahrene Trainer in Klettervereinen und -schulen, die Kletterkurse am Fels für Kinder anbieten. Hier lernst auch Du als Elternteil, worauf Du achten solltest und wie Du Dein Kind am besten unterstützen kannst.

Fazit

Im Sommer im Klettergarten zu klettern, ist der Traum vieler, die bisher nur in der Halle geklettert sind. Damit Dein erster Ausflug in den Klettergarten gut gelingt, solltest Du vorher Deinen Kletterrucksack mit allen wichtigen Ausrüstungs- und Sicherheitsgegenständen packen und genügend Wasser und Verpflegung mitnehmen. Schätze beim Klettern am Fels Dein Können realistisch ein und beginne lieber zwei bis drei Grad unter Deine Leistungsgrenze, um ein Gefühl für die neue Kletterumgebung zu bekommen. Möchtest Du mit Deinen Kindern das Outdoor-Klettern entdecken, solltest Du einen sicheren Klettergarten für Kinder wählen, der sich durch ein sicheres Gelände und sanierte, kurze Routen auszeichnet. So wird der Tag im Klettergarten zum gelungenen Familienausflug.

Quellen und weiterführende Literatur:

[1]https://www.alpin.de/sicher-am-berg/7119/artikel_felsklettern_-_das_muessen_sie_beherrschen.html
(abgerufen am 08.01.20)

[2]https://www.bergzeit.ch/magazin/packliste-klettern/
(abgerufen am 20.01.20)

[3]https://www.bergfreunde.de/basislager/klettern-mit-kindern-ein-spass-fuer-die-ganze-familie/
(abgerufen am 08.01.20)

Bildquellen:

iStock.com/epicurean

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iStock.com/ASIFE

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