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Hirsch im Wald

Begegnungen mit Wildtieren

Meist ist es nur ein kurzer Sichtkontakt, ein Beobachten aus der Ferne. Der Fall, ein Wildtier aus der Nähe betrachten zu können, tritt nur äußerst selten ein. Wildlebende Tiere sind scheu und haben Sie meist schon wahrgenommen – gerochen, gehört oder gesehen – bevor Sie sie auch nur erahnen kannst. Wildtiere haben folgende gemeinsame Merkmale, sie sind:

  • in der Wildnis lebend
  • nicht domestiziert, also nicht zahm
  • herrenlos, also ohne Eigentümer

Heimische Wildtiere sind beispielsweise Wildschweine, Füchse, Rehe und Hirsche. Aber auch Marder, Waschbären, Feldhasen und Vögel wie Graureiher und Turmfalke zählen dazu. All diese Tiere können sich auch schon einmal Siedlungen nähern und diese durchqueren. Ein Fuchs am Stadtrand ist schon längst keine Seltenheit mehr.

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Wenn Du ein verletztes Tier im Wald findest, fasse es auf keinen Fall an. Es droht die Gefahr ansteckender Krankheiten.

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Männliche Wildschweine sind Einzelgänger, während die Weibchen mit ihren Kindern in Rotten von 8 bis 30 Tieren zusammenleben.

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Auch Hunde, die gehorsam sind, sollten in Waldgebieten nur an der Leine laufen.

Grundsätzliches Verhalten bei einer Begegnung mit einem Wildtier

Sollte der seltene Fall eintreffen, dass Sie einem Wildtier aus nächster Nähe begegnen, sollten Sie aus Respekt vor den Tieren und auch zum Schutz vor ihnen auf Ihr Verhalten achten. Gerade im Wald sind Sie schließlich im Wohnzimmer der Wildtiere unterwegs. Was für Sie einen Erholungsraum darstellt, ist für die Tier- und Pflanzenwelt essentieller Lebensraum. So sind die Schilder mit Anweisungen im Wald ernst zu nehmen und generell ein umweltbewusstes Verhalten an den Tag zu legen. Grundsätzlich gilt:

  • Müll entsorgen
  • auf den Wegen bleiben, sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad
  • Wildtiere nicht füttern
  • Hunde fernhalten bzw. anleinen

Dass Sie Ihren Müll wieder mitnehmen, hat nicht nur ästhetische Aspekte. Im Wald liegen gebliebene Joghurtbecher, Keksverpackungen und dergleichen können sonst dazu führen, dass Sie einem verletzten Tier begegnen. Hirsche können sich mit ihrem Geweih im Müll verheddern, Füchse mit ihrem Kopf in Bechern und Dosen stecken bleiben. Generell kann der Müll zu Verletzungen im Magen-Darm-Trakt der Tiere führen.

Routen und Wege einzuhalten ist wichtig, um den Tieren Ruhe und Rückzugsorte zu ermöglichen. Sie sind an Menschen auf den Wegen gewöhnt. Da können sie Sie einschätzen und empfinden Sie nicht als Feind. Bleiben Sie auf den Wegen, beunruhigen Sie also die Tiere zum einen nicht unnötig und bringen sich zum anderen auch selbst nicht in Gefahr. Aus Respekt vor dem Lebensraum der Tiere sollten Sie sich auch nicht unnötig lang am Waldrand aufhalten. Waldränder gehören zum Lieblingsplatz vieler Tiere.

Der Grundsatz, die Tiere nicht zu füttern, hat folgenden Hintergrund: Geben Sie ihnen Nahrung, die sie Ihnen auf freundliche Art und Weise abnehmen, kann es sein, dass sie dies vom nächsten Spaziergänger schon aggressiv einfordern. Um diesen Mechanismus nicht in Gang zu bringen, gilt: Füttern untersagt!

Hunde anzuleinen ist aus zwei Gründen gerechtfertigt. Zum einen können die Hunde so keinen Tieren hinterherjagen und sie unnötig Stress aussetzen. Zum anderen kann es passieren, dass besonders kleine Hunde von Greifvögeln als Beute identifiziert werden.

Begegnung mit Wildschweinen

Wildschweine können mit ihrem massigen Körper und ihren scharfen Eckzähnen – genannt Hauern – sehr bedrohlich und aggressiv wirken. Von Natur aus sind sie jedoch friedliche Tiere, die sich eher vor Menschen verstecken. Die Keiler (männliche Tiere) sind Einzelgänger, während die Bachen (weibliche Tiere) mit den Frischlingen (Kinder) in Rotten von 8 bis 30 Tieren zusammenleben.

Wenn Sie auf den Waldwegen bleiben, werden Sie äußerst selten Wildschweine im Wald begegnen. Sie sind vor allem nachts im Dickicht unterwegs. Eigentlich sind Wildschweine tagaktive Tiere. Durch die Jagd haben sie allerdings die Dämmerung und die Nacht zu ihrem Tag gemacht. Sollten Sie doch einmal auf ein Wildschwein treffen, geht besonders von drei Situationen eine Gefahr aus.

Bache mit ihren Frischlingen im Wald

Wildschweine im Wald – Gefahr in drei Situationen

  1. Sie geraten zwischen eine Bache und ihre Frischlinge

Dann sollten Sie das laute Schnaufen und das sogenannte Blasen der Bache als Warnsignal äußerst ernst nehmen und sich zurückziehen. Wenn ein Hochsitz oder ein bekletterbarer Baum in der Nähe ist, warten Sie am besten in Sicherheit bis die Rotte weitergezogen ist. Niemals sollten Sie einen Stock in die Luft halten oder andere drohende Gesten machen. Ist ein Wildschwein erst einmal aggressiv und fühlt sich bedroht, kann es gefährlich werden.

Der Fall kann theoretisch das ganze Jahr über eintreffen. Den Schwerpunkt bilden die Monate März bis Mai. Jedoch steht Wildschweinen durch den starken Maisanbau und die milderen Winter mehr Nahrung zur Verfügung, sodass sie sich zu allen Jahreszeiten fortpflanzen.

  1. Sie treffen auf einen verletzten Keiler

Es kann passieren, dass Sie einen verletzten Keiler sehen. Das von einem Auto angefahrene oder von einem Jäger angeschossene Tier kann durchaus aggressiv auftreten. In dem Fall sollten Sie, wenn Sie sich in Sicherheit gebracht haben, die Polizei informieren. Solch verletzte Tiere, die bis zu 100 kg auf die Waage bringen, können immer wieder angreifen. Kann sich die Polizei oder der örtliche Jäger dem Tier annehmen, so können weitere Spaziergänger vor einer gefährlichen Begegnung mit Wildschweinen bewahrt werden.

  1. Sie überraschen die Tiere im Dickicht

Wenn Wildschweine nicht mit Menschen rechnen – zum Beispiel in der Dämmerung im Dickicht fernab der Wege – werden sie überrascht. Ähnlich wie bei Menschen, die erschreckt werden, reagieren auch die Tiere verschieden und unberechenbar mit Flucht oder Angriff. Auf den Waldwegen bleiben ist auch hier wieder die beste Vorsorge, um Wildschweine im Wald zu meiden.

Wölfe in der Schweiz

Dass Sie Wölfe in der Schweiz treffen werden, ist ebenso sehr unwahrscheinlich. Entgegengesetzt dem Märchenbild des bösen Wolfes, sind die Wildtiere sehr vorsichtige, nicht aggressive Tiere, die Menschen für gewöhnlich meiden.

Nach Angaben des WWF Schweiz gibt es aktuell nur drei Wolfsrudel in der Schweiz, also insgesamt nur 30 bis 40 Tiere.[1] Im Kanton Graubünden ließ sich im Jahr 2012 das erste feste Wolfsrudel nieder, aber die Population wächst weiterhin.[2]

Zu den Rudeln kommen vereinzelte Paare und sehr wenige Einzelgänger. Meist zeigen die Wölfe kein Interesse an Menschen, begegnen uns mit Vorsicht und halten von selbst Distanz. Sollten Sie doch einem Wolf begegnen, helfen Ihnen folgende Verhaltensregeln.

Wolfsrudel aus nächster Nähe

Sicheres Verhalten, wenn Sie einem Wolf begegnen

  • Verhalten Sie sich ruhig. Ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Kommt der Wolf auf Sie zu, richten Sie sich auf und machen sich groß.
  • Rufen Sie laut und klatschen Sie in die Hände. Das vertreibt den Wolf.
  • Zieht sich der Wolf wider Erwarten nicht zurück, bewaffnen Sie sich im Notfall mit einem Stock und werfen Sie eventuell mit Gegenständen nach dem Tier.

Sind Sie wieder in Sicherheit, sollten Sie die Begegnung einem Naturschutzbund oder einer Raubtierforschungsstelle melden oder den zuständigen Wildhüter informieren. Auch die Polizeidienststelle ist ein möglicher Ansprechpartner.

Wenn Sie mit Ihrem Hund in einem Wolfsgebiet spazieren gehen, halten Sie ihn an der Leine. Wölfe können Ihrem Hund nur gefährlich werden, wenn sie ihn allein antreffen. An Ihrer Seite ist er geschützt, da Wölfe Menschen gegenüber Vorsicht zeigen. Kommt ein Wolf dennoch näher, verhalten Sie sich wie oben beschrieben.

Verletztes Tier im Wald gefunden – was tun?

Sie haben den Verdacht, ein verletztes Tier im Wald gefunden zu haben? Zunächst sollten Sie das Tier aus sicherer Entfernung beobachten. Hilfsbedürftig sind nur verletzte und kranke Tiere. Manchmal wartet ein Jungtier auch einfach nur auf seine Mutter, die gerade auf Nahrungssuche ist. In keinem Fall sollten Sie das Tier anfassen. Es droht die Gefahr ansteckender Krankheiten. Auch wenn die terrestrische Tollwut in der Schweiz seit 1999 ausgerottet ist, so kann die Krankheit vor allem bei Fledermäusen noch auftreten.[3] Räude und Bandwürmer sind nur zwei weitere Beispiele für Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.[4]

Ist das Tier eindeutig verletzt oder Sie sind sich unsicher, dann kontaktieren Sie den örtlichen Wildhüter. Dieser kann entweder selbst helfen oder vermitteln. Weitere Anlaufstellen sind zudem die örtliche Naturschutzbehörde, Tierauffangstationen sowie die Forst- und Jagdbehörde für Tiere wie Wildschwein, Rehe und Hirsche. Die Polizeidienststelle ist in solchen Fällen auch ein möglicher Ansprechpartner.

Fazit: Begegnungen mit Wildtieren aus nächster Nähe sind äusserst selten

Der Wald ist für uns ein wunderbarer Ort der Erholung. Halten Sie die grundsätzlichen Verhaltensregeln ein, so gewähren Sie auch den Wildtieren die nötige Ruhe in ihrem Lebensraum. Zudem minimieren Sie das Risiko einem Wildtier aus nächster Nähe zu begegnen. Sollte dieser äußerst seltene Fall doch eintreffen, können Sie sich mit der richtigen Reaktion in Sicherheit bringen und das respektvolle Miteinander von Mensch und Tier wahren.

Quellen:

[1] https://www.wwf.ch/de/tierarten/wolf-sozialer-raeuber

[2] https://www.nachhaltigleben.ch/natur/wilde-schweiz/der-wolf-zurueck-in-der-schweiz-geschenk-oder-gefahr-2312

[3] https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/mensch-gesundheit/uebertragbare-krankheiten/infektionskrankheiten-a-z/tollwut.html

[4] https://www.waldwissen.net/wald/erholung/fva_zoonosen_im_wald/index_DE

Bildquellen:

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