Respektvolles und sicheres Verhalten gegenüber Wildtieren – Hirsch im Wald.

Richtiges Verhalten gegenüber Wildtieren: Die wichtigsten Tipps

Meist ist es nur ein kurzer Sichtkontakt, ein Beobachten aus der Ferne. Der Fall, ein Wildtier aus der Nähe betrachten zu können, tritt nur äusserst selten ein. Wildlebende Tiere sind scheu und haben dich meist schon wahrgenommen – gerochen, gehört oder gesehen – bevor du sie auch nur erahnen kannst.

Heimische Wildtiere sind beispielsweise Wildschweine, Füchse, Rehe und Wölfe. Aber auch Marder, Waschbären, Feldhasen und Vögel wie Graureiher und Turmfalke zählen dazu. All diese Tiere können sich auch schon einmal Siedlungen nähern und diese durchqueren. Ein Fuchs am Stadtrand ist schon längst keine Seltenheit mehr.

Damit eine mögliche Begegnung sowohl für dich als auch für das Wildtier ohne Schaden verläuft, haben wir ein paar wichtige Verhaltenstipps zusammengefasst. Die wichtigsten Hinweise zu Wildtierbegegnungen findest du ausserdem noch in unserer praktischen Checkliste:

PDF-Download: Verhaltenstipps für Wildtierbegegnungen

Grundsätzliches Verhalten bei einer Begegnung mit einem Wildtier

Sollte der seltene Fall eintreffen, dass du einem Wildtier aus nächster Nähe begegnest, solltest du aus Respekt vor den Tieren und auch zu deinem eigenen Schutz einige Verhaltenstipps beachten. Gerade im Wald bist du schliesslich im Wohnzimmer der Wildtiere unterwegs. Für den Menschen ist die Natur ein Erholungsraum, für die Tiere jedoch ein unverzichtbarer Lebensraum. Daher solltest du grundsätzlich ein umweltbewusstes Verhalten an den Tag legen, allgemeine Verhaltensregeln für den Aufenthalt in der Natur einhalten und Hinweisschilder beachten.

Grundsätzlich gilt:

  • Müll entsorgen

  • Wander- und Velowege nutzen, nicht vom Weg abkommen

  • Wildtiere nicht füttern

  • Hunde anleinen und aus Wildtierzonen möglichst fernhalten

Dass du deinen Müll wieder mitnimmst, ist nicht nur aus ästhetischer Sicht wichtig. Menschlicher Abfall gefährdet das Ökosystem Wald – von erhöhter Waldbrandgefahr bis zu Schadstoffen im Grundwasser. Im Wald liegen gebliebene Joghurtbecher, Keksverpackungen und dergleichen stellen zudem ein hohes Verletzungsrisiko für Tiere dar: Hirsche können sich mit ihrem Geweih im Müll verheddern, Füchse mit ihrem Kopf in Bechern und Dosen stecken bleiben. Manche Vögel nutzen Plastikreste zum Nestbau, wodurch Regenwasser nicht ungehindert abläuft und die Jungen bei Starkregen ertrinken können. Generell kann der Müll zu Verletzungen im Magen-Darm-Trakt der Tiere führen.

Richtiges Verhalten gegenüber Wildtieren: Wege nicht verlassen und Hunde anleinen.

Routen und Wege einzuhalten, ist wichtig, um den Tieren Ruhe und Rückzugsorte zu ermöglichen. Sie sind an Menschen auf den Wegen gewöhnt. Dort können sie dich einschätzen und empfinden dich nicht als Feind. Bleibst du auf den Wegen, beunruhigst du also die Tiere nicht unnötig und bringst dich auch selbst nicht in Gefahr. Aus Respekt vor dem Lebensraum der Tiere solltest du dich auch nicht unnötig lang am Waldrand aufhalten. Waldränder gehören zum Lieblingsplatz vieler Tiere.

Der Grundsatz, die Tiere nicht zu füttern, hat folgenden Hintergrund: Werden Wildtiere von Menschen angefüttert, verlieren sie ihre Scheu vor Menschen und nähern sich oft auch Siedlungsgebieten, wodurch nicht nur die Gefahr von gefährlichen Wildtierbegegnungen, sondern auch von Wildunfällen steigen kann. Ausserdem ist das angebotene Futter meist nicht artgerecht und daher nicht gut verträglich für die Tiere. Um diesen Mechanismus nicht in Gang zu bringen, gilt: Füttern untersagt! Je nach Kanton droht sogar ein hohes Bussgeld, wenn ein Jäger oder Förster dich beim Füttern der Wildtiere erwischt.

Hunde anzuleinen ist aus zwei Gründen gerechtfertigt: Zum einen können die Hunde so keinen Tieren hinterherjagen und sie unnötig Stress aussetzen. Zum anderen kann es passieren, dass besonders kleine Hunde von Greifvögeln als Beute identifiziert werden.

Tipp

Bei Wanderungen hast du von Zeit zu Zeit die Gelegenheit, scheue Tiere wie Rehe und Hirsche aus der Ferne zu beobachten. Grundsätzlich haben diese Tiere einen ausgeprägten Fluchtinstinkt und meiden den Kontakt mit Menschen. Solange sie nicht bedroht oder in die Enge getrieben werden, besteht keine Gefahr für den Menschen. Um die Tiere nicht zu verschrecken und unnötigem Stress auszusetzen, solltest du Abstand halten, sie nicht bedrängen oder anderweitig stören (z. B. durch Blitzlicht).

Was tun bei einer Begegnung mit Wildschweinen?

Sind Wildschweine gefährlich? Wildschweine können mit ihrem massigen Körper und ihren scharfen Eckzähnen (Hauer) sehr bedrohlich und aggressiv wirken. Von Natur aus sind sie jedoch friedliche Tiere, die sich eher vor Menschen verstecken. Die Keiler (männliche Tiere) sind Einzelgänger, während die Bachen (weibliche Tiere) mit den Frischlingen (Jungtieren) in Rotten von 8 bis 30 Tieren zusammenleben. Wenn du auf den Waldwegen bleibst, sind Begegnungen mit Wildschweinen sehr selten.

Sind Wildschweine gefährlich? – Bache mit ihren Frischlingen im Wald.

Was tun bei Begegnungen mit Wildschweinen? – 3 Gefahrensituationen

Wildschweine sind vor allem nachts im Dickicht unterwegs. Eigentlich sind Wildschweine tagaktive Tiere. Durch die Jagd haben sie allerdings die Dämmerung und die Nacht zu ihrem Tag gemacht. Solltest du doch einmal auf ein Wildschwein treffen, geht besonders von drei Situationen eine Gefahr aus.

1. Verhalten bei Wildschweinen: Bache und Frischlinge

Gerätst du zwischen eine Bache und ihre Frischlinge, solltest du das laute Schnaufen und das sogenannte Blasen der Bache als Warnsignal äusserst ernst nehmen und dich zurückziehen. Wenn ein Hochsitz oder ein bekletterbarer Baum in der Nähe ist, warte am besten in Sicherheit, bis die Rotte weitergezogen ist. Niemals solltest du einen Stock in die Luft halten oder andere drohende Gesten machen. Ist ein Wildschwein erst einmal aggressiv und fühlt sich bedroht, kann es gefährlich werden.

Der Fall kann theoretisch das ganze Jahr über eintreffen. Den Schwerpunkt bilden die Monate März bis Mai. Jedoch steht Wildschweinen durch den starken Maisanbau und die milderen Winter mehr Nahrung zur Verfügung, sodass sie sich zu allen Jahreszeiten fortpflanzen.

2. Verhalten bei Wildschweinen: Verletzter Keiler

Es kann passieren, dass du einen verletzten Keiler siehst. Das von einem Auto angefahrene oder von einem Jäger angeschossene Tier kann durchaus aggressiv auftreten. In dem Fall solltest du, wenn du dich in Sicherheit gebracht hast, die Polizei informieren. Solche verletzten Tiere, die bis zu 100 Kilogramm auf die Waage bringen, können immer wieder angreifen. Kann sich die Polizei oder der örtliche Jäger dem Tier annehmen, können weitere Spaziergänger vor einer gefährlichen Begegnung mit Wildschweinen bewahrt werden.

3. Verhalten bei Wildschweinen: Tiere im Dickicht

Wenn Wildschweine nicht mit Menschen rechnen (zum Beispiel in der Dämmerung im Dickicht fernab der Wege), werden sie überrascht. Ähnlich wie bei Menschen, die erschreckt werden, reagieren auch die Tiere verschieden und unberechenbar mit Flucht oder Angriff. Um eine solche Wildschweinbegegnung zu vermeiden, solltest du am besten auf den Waldwegen bleiben.

Tipp

Bei Wildschweinbegegnungen im Wald gelten drei Grundregeln: 1. Abstand halten. 2. Warnsignale bzw. Drohgebärden ernst nehmen. 3. Langsam und leise zurückziehen. Entdeckst du auf einer Wanderung Wildschweine, solltest du mit ausreichend Abstand einen grossen Bogen um die Tiere machen, aber nicht davonrennen. Kannst du eine direkte Begegnung mit Wildschweinen nicht mehr verhindern, solltest du keine hektischen Bewegungen machen und dich nach Möglichkeit auf einem Baum oder Hochsitz in Sicherheit bringen.

Verhalten bei Wolfsbegegnungen: Gibt es Wölfe in der Schweiz?

Dass du Wölfe in der Schweiz treffen wirst, ist sehr unwahrscheinlich – selbst in Wolfsregionen. Anders als das Märchenbild des bösen Wolfes sind die Wildtiere sehr vorsichtige, nicht aggressive Tiere, die Menschen für gewöhnlich meiden.

Lange Zeit galt der Wolf in der Schweiz als ausgerottet, doch seit Beginn des 21. Jahrhunderts breiten sich die Tiere wieder vermehrt in Europa und demnach auch in der Schweiz aus. Die Zahl der Wolfsrudel, Paare und der territorialen Einzelgänger steigt seit Jahren. Die meisten davon leben in den Kantonen Waadt, Walllis und Graubünden.

Durch die steigende Anzahl der Wölfe in der Schweiz sind auch Konflikte mit den Menschen nicht auszuschliessen – hauptsächlich bezogen auf die Weidetierhaltung. Die direkte Gefahr ist jedoch gering, da gesunde Wölfe Scheu vor Menschen zeigen und eher Distanz halten. Angriffe von Wölfen auf Menschen sind demnach sehr selten. Solltest du im Wald doch einem Wolf begegnen, helfen dir folgende Verhaltensregeln.

Verhalten bei Wolfsbegegnungen: Einzelner Wolf im Waldgebiet.

Sicheres Verhalten bei Wolfsbegegnungen: Die wichtigsten Tipps

  • Bewahre Ruhe. Ziehe dich langsam, aber unverzüglich zurück.

  • Kommt der Wolf auf dich zu, richte dich auf und mach dich gross.

  • Rufe laut und klatsche in die Hände. Versuche den Wolf einzuschüchtern, um ihn zu vertreiben.

  • Renne nicht davon, da das Tier sich sonst zur Verfolgung animiert fühlt.

  • Zieht sich der Wolf wider Erwarten nicht zurück, wirf im Notfall mit Gegenständen nach

    ihm.

Bist du wieder in Sicherheit, solltest du die Begegnung einem Naturschutzbund oder einer Raubtierforschungsstelle melden oder den zuständigen Wildhüter informieren. Auch die Polizeidienststelle ist ein möglicher Ansprechpartner.

Wichtig: Wenn du mit deinem Hund in einem Wolfsgebiet spazieren gehst, halte ihn an der Leine. Wölfe können deinem Hund nur gefährlich werden, wenn sie ihn allein antreffen. An deiner Seite ist er geschützt, da Wölfe Menschen gegenüber Vorsicht zeigen. Kommt ein Wolf dennoch näher, verhalte dich wie oben beschrieben.

Verletztes Tier gefunden – was tun?

Du hast den Verdacht, ein verletztes Tier im Wald gefunden zu haben? Zunächst solltest du das Tier aus sicherer Entfernung beobachten. Hilfsbedürftig sind nur verletzte und kranke Tiere. Manchmal wartet ein Jungtier auch einfach nur auf seine Mutter, die gerade auf Nahrungssuche ist. In keinem Fall solltest du das Tier anfassen. Es droht die Gefahr ansteckender Krankheiten. Auch wenn die Tollwut in der Schweiz nahezu ausgerottet ist, so sind Räude und Bandwürmer nur zwei von den Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.

Ist das Tier eindeutig verletzt oder du bist dir unsicher, dann kontaktiere den örtlichen Wildhüter. Dieser kann entweder selbst helfen oder vermitteln. Weitere Anlaufstellen sind zudem die örtliche Naturschutzbehörde, Tierauffangstationen sowie die Forst- und Jagdbehörde für Tiere wie Wildschwein, Rehe und Hirsche. Die Polizeidienststelle ist in solchen Fällen auch ein möglicher Ansprechpartner.

Tipp

Bei Wanderungen auf der Alm kann es durchaus vorkommen, dass du Kühen begegnest. Vor allem bei freilaufenden Rinderherden stellt sich daher die Frage: Sind Kühe gefährlich? Grundsätzlich sind Rinder nicht aggressiv, jedoch können sie sich in bestimmten Situationen bedrängt oder provoziert fühlen und sich zur Wehr setzen. Betritt daher keine eingezäunten Weideflächen und halte von freilaufenden Rinderherden einen grosszügigen Abstand. Das gilt vor allem, wenn es sich um Muttertiere und ihre Kälber handelt. Führt dich ein offizieller Wanderweg über eine Weidefläche, solltest du dennoch auf dem Weg bleiben und es vermeiden, direkt durch die Herde zu laufen. Denk ausserdem daran, immer das Weidegatter hinter dir zu schliessen, damit die Tiere nicht flüchten können.

Fazit: Begegnungen mit Wildtieren aus nächster Nähe sind äusserst selten

Der Wald ist für uns ein wunderbarer Ort der Erholung. Hältst du die grundsätzlichen Verhaltensregeln ein, so gewährst du auch den Wildtieren die nötige Ruhe in ihrem Lebensraum. Zudem minimierst du das Risiko einem Wildtier aus nächster Nähe zu begegnen. Sollte dieser äusserst seltene Fall doch eintreffen, kannst du dich mit der richtigen Reaktion in Sicherheit bringen und das respektvolle Miteinander von Mensch und Tier wahren.

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Quellen und weiterführende Informationen:

https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/waldspaziergang-so-verhalten-sie-sich-ruecksichtsvoll

(aufgerufen am 19.07.2023)

https://www.plastikalternative.de/umwelt/

(aufgerufen am 19.07.2023)

https://wanderglueck.com/wanderwissen/richtiges-verhalten-bei-kontakt-mit-wildschweinen-im-wald

(aufgerufen am 19.07.2023)

https://outdoorcamp.de/wildschweine-abwehren/

(aufgerufen am 19.07.2023)

https://www.uvek.admin.ch/uvek/de/home/uvek/abstimmungen/revision-des-jagdgesetzes/der-wolf-in-der-schweiz.html

(aufgerufen am 19.07.2023)

https://www.nachhaltigleben.ch/natur/wilde-schweiz/der-wolf-zurueck-in-der-schweiz-geschenk-oder-gefahr-2312

(aufgerufen am 19.07.2023)

https://www.umweltnetz-schweiz.ch/themen/tierschutz/4459-verhalten-bei-wildtierbegegnungen.html

(aufgerufen am 19.07.2023)

Bildquellen in chronologischer Reihenfolge im Text:

Titelbild: iStock.com/IPGGutenbergUKLtd

1. Bild im Text: iStock.com/rusak

2. Bild im Text: iStock.com/Zbynek Pospisil

3. Bild im Text: iStock.com/dennisvdw

4. Bild im Text: iStock.com/AB Photography

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