Zero Waste Ratgeber – nachhaltiger Leben

Ob beim Einkaufen von Lebensmitteln oder Kleidung, beim Kochen, beim Arbeiten oder in der Freizeit – in Deutschland werden jährlich pro Kopf etwa 535 Kilogramm Müll produziert[1]. Obwohl die Deutschen in der Mülltrennung weltweit vorne liegen, werden am Ende nur etwa 16 Prozent des gesammelten Plastikmülls auch tatsächlich recycelt[2]. Der Rest sammelt sich auf Mülldeponien oder wird verbrannt. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind enorm. Mit einem wachsenden Umweltbewusstsein der Bevölkerung wächst auch der Tatendrang.

Wie funktioniert Zero Waste?

Die Zero-Waste-Bewegung bietet einen Ausweg. Wer nach den Zero-Waste-Prinzipien lebt, versucht Müll zu vermeiden, wo es nur geht. Zero Waste heißt übersetzt so viel wie „kein Müll“. Überhaupt keinen Abfall mehr zu produzieren klingt zwar löblich, wirkt auf die meisten Menschen jedoch zunächst kaum machbar. Weil die komplette Vermeidung von Abfall nach dramatischen Umstellungen klingt und weil weder unsere Gesellschaft noch unsere Industrie bisher darauf eingestellt sind, haben sich auch Begriffe wie Low Waste oder Less Waste bewährt. Ziel soll es sein, keinen oder möglichst wenig Müll auf Mülldeponien zu schicken. Dabei beruht Zero Waste auf fünf einfachen Prinzipien:

  1. Vermeiden: Wenn Du etwas nicht wirklich brauchst, solltest Du darauf verzichten. Selbstbeherrschung spielt hier eine Rolle, aber auch Köpfchen: Überlege zum Beispiel, welche Dinge in Deinem Haushalt doppelt vorhanden sind und welche man sich beispielsweise mit Nachbarn, Freunden oder der Familie teilen könnte.

  2. Reduzieren: Weniger zu konsumieren, bedeutet auch weniger wegzuwerfen. Das bezieht sich nicht nur auf materielle Dinge. Auch Strom- und Wasserverbrauch sowie private Verkehrsmittel fallen in diese Kategorie.

  3. Wiederverwerten: Viele Dinge können lange verwendet werden. Gute Pflege verlängert das Leben von vielen Produkten! Dinge zu reparieren oder sie im Umfeld zu verleihen bzw. jemandem zu schenken, der sie noch benutzen kann, verlängert ebenfalls ihre Lebensdauer und vermeidet Abfall.

  4. Recyceln: Aus vermeintlichem Abfall können zum Teil wertvolle Rohstoffe gewonnen werden. Abfall sollte daher richtig getrennt werden. Besser noch: Durch Upcycling können aus Abfallprodukten neue und nützliche Gegenstände entstehen!

  5. Kompostieren: Abfälle, die nicht weiterverwendet werden können, sind im besten Fall kompostierbar, zersetzen sich also mit der Zeit und werden so dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt.

Die Anfänge von Zero Waste

Als Begründerin dieser Bewegung gilt die Französin Beá Johnson, die mit ihrer Familie in den USA lebt. Seit 2008 lebt sie nahezu müllfrei, betreibt einen Blog zum Thema und hat außerdem ein Buch über Zero Waste geschrieben. Der Müll, den sie und ihre Familie in einem Jahr produzieren, passt in ein großes Einmachglas. Dabei lebt die Familie nach den oben genannten Prinzipien. Johnson ist der Meinung, dass viele Menschen vom Aufwand des Zero-Waste-Lifestyles abgeschreckt werden, hält das aber für unbegründet. Natürlich ist es nachhaltig und löblich möglichst vieles selbst herzustellen, Johnson betont jedoch, dass das für viele Menschen, besonders für Familien, schwer umzusetzen ist. Einfacher ist es möglichst unverpackte und unverarbeitete (Mehrweg-)Produkte zu kaufen. Auf diese Weise sparst Du Zeit und Geld und schonst dabei auch noch die Umwelt und Deine Gesundheit.

AchtungJeder Mensch nimmt pro Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik zu sich[3]. Durch die bewusste Vermeidung von Plastikabfällen und Plastikverpackungen kannst Du diesen Wert jedoch reduzieren!

AchtungJeder Mensch nimmt pro Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik zu sich[3]. Durch die bewusste Vermeidung von Plastikabfällen und Plastikverpackungen kannst Du diesen Wert jedoch reduzieren!

Ziel der Zero-Waste-Bewegung ist es, sich als Gesellschaft in Richtung einer Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Momentan ist unsere Wirtschaft linear aufgebaut. Rohstoffe werden zu Produkten verarbeitet, welche dann benutzt und anschließend weggeworfen werden. Diese Rohstoffe werden dem Kreislauf nicht wieder zugeführt, sondern landen als Müll auf Deponien und belasten so unsere Umwelt und unser Klima. In einer Kreislaufwirtschaft werden Rohstoffe so verwendet, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus wieder Teil des natürlichen Kreislaufes werden. Diese Art des Wirtschaftens schont die natürlichen Ressourcen der Erde. Im Artikel Cradle to Cradle erfährst Du mehr zum Thema Kreislaufwirtschaft.

Die Zero-Waste-Bewegung hat sich also nicht nur Müllvermeidung zum Ziel gesetzt, sondern auch einen gesellschaftlichen Wandel. Der beginnt bei Dir zu Hause! Das Hinterfragen des eigenen Konsumverhaltens ist der erste Schritt. Häufig ist uns gar nicht bewusst, wie oft und wie viel Abfall wir tagtäglich produzieren. Dieser Ratgeber soll Dir als Einstiegshilfe dienen und Ideen liefern, wann und wo Du im Alltag Müll vermeiden kannst. „Mehrweg statt Einweg“ und „Selbermachen statt neu kaufen“ lauten die Devisen. Mit einfachen Hausmitteln, Tipps und Tricks lässt sich im Alltag eine Menge Verpackungsmüll vermeiden, was am Ende nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schont.

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Lebensmittel in Mehrwegverpackungen.

Zero Waste – Müllvermeidung im Alltag

Verpackungsmüll zu vermeiden und den Alltag nachhaltiger zu gestalten, wird vielen immer wichtiger. Der Durchschnittsmensch produziert von morgens bis abends eine ganze Menge Müll. Mehr als ein Kilogramm pro Tag, um genau zu sein. Die Möglichkeiten und Wege, ein umweltbewussteres Leben zu führen, sind zahlreich und gesund für Mensch und Natur. Dabei musst Du Dein Leben nicht komplett umkrempeln. Wir zeigen Dir, wo und wie Du in verschiedenen Lebensbereichen sinnvoll Verpackungsmüll sparen und einen Schritt in Richtung Zero-Waste-Lifestyle machen kannst.

InformationDie Herstellung von Einwegprodukten aus Plastik, wie beispielsweise Strohhalme oder To-Go-Becher, wird in der EU ab dem 03. Juli 2021 verboten[4]. Der Beschluss der EU-Mitgliedsstaaten ist ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft!.

InformationDie Herstellung von Einwegprodukten aus Plastik, wie beispielsweise Strohhalme oder To-Go-Becher, wird in der EU ab dem 03. Juli 2021 verboten[4]. Der Beschluss der EU-Mitgliedsstaaten ist ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft!.

Selbstgenähte Tücher für Küche und Bad aus alter Kleidung.

Upcycling von Kleidung – praktische wiederverwendbare DIY-Tücher

Vor allem in Badezimmer und Küche fallen tagtäglich große Mengen Abfall an. Abschminktücher, feuchte Tücher und Co. landen in der Regel nach einer Benutzung im Mülleimer. Dabei gibt es hier eine nachhaltige und einfache Lösung: Aus alten und nicht mehr gebrauchten Textilien wie T-Shirts, Handtüchern oder Hemden können waschbare Abschminkpads oder feuchte Babytücher ganz einfach selbst hergestellt werden. Nach der Benutzung kannst Du die Tücher einfach per Hand auswaschen oder mit in die Waschmaschine geben. Diese Upcycling-Anleitung umfasst Infos zu Stoffen und ihren Eigenschaften sowie anschauliche Nähanleitungen. So kannst Du Deinen Haushalt mit ein paar einfachen Handgriffen nachhaltiger gestalten.

Selbstgenähte Tücher für Küche und Bad aus alter Kleidung.
Brotbeutel aus einer alten Regenjacke.

DIY-Brotbeutel: Upcycling aus einer alten Regenjacke

Unser Alltag ist geprägt von Einwegprodukten. Ob Küchenrolle oder Wattepads – das meiste landet nach einer Benutzung im Müll und wird verbrannt oder auf Deponien gelagert. Upcycling bietet eine nachhaltige und umweltschonende Lösung für dieses Problem und arbeitet dabei nach dem Prinzip: Aus alt mach neu! Zero Waste bedeutet auch, Ausgedientes nicht gleich wegzuwerfen. Eine alte Regenjacke beispielsweise kann mit ein paar einfachen Handgriffen zu einem wiederverwendbaren Brotbeutel umgenäht werden! Auf diese Weise landet die Jacke nicht auf einer Mülldeponie und Du erhältst einen individuellen und einzigartigen Brotbeutel für unterwegs.

Die fertige Upcycling-Schüsselhaube aus einer Regenjacke über einer Schüssel.

Upcycling in der Küche: Schüsselhauben selbst nähen

Gerade in der Küche fällt im Alltag eine Menge Müll an. Frischhalte- und Alufolie landen nach einer Benutzung im Müll und können noch dazu Mikroplastik und Aluminium an das Verpackte abgeben. Vor allem die Ökobilanz von Alufolien sieht mager aus: Zur Herstellung werden hohe Mengen Energie verbraucht. Die Nutzungsdauer steht in keinem Verhältnis zu diesem Energieverbrauch.

Dabei lassen sich viele Einweg-Produkte in der Küche ganz einfach vermeiden, denn Schüsseln und Töpfe kannst Du hervorragend mit selbst gemachten Hauben abdecken. Für dieses Upcycling-Projekt musst Du wahrscheinlich nicht einmal einkaufen gehen. Ein paar alte Kleidungsstücke, eine Regenjacke und Nähzeug ist alles was Du benötigst, um Deine Küche nachhaltiger zu gestalten und langfristig Müll zu vermeiden. Mit dieser Upcycling-Anleitung kannst Du im Handumdrehen eine Regenjacke in praktische Schüsselabdeckungen verwandeln und Deine Küche einen Schritt nachhaltiger gestalten.

Die fertige Upcycling-Schüsselhaube aus einer Regenjacke über einer Schüssel.
Noch gut erhaltene Kleidung wird oft als Secondhandware verkauft.

Kleiderspende

Jeder Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr[5]. Wem der Kleiderschrank dann zu voll wird, der sortiert meist alte und nicht mehr getragene Kleidung aus. Diese aussortierte Kleidung und andere Textilien können an verschiedene Organisationen gespendet werden. Über Paketversand, Altkleidercontainer und Sammelaktionen werden zahlreiche Hilfsprojekte unterstützt und vielen Kleidungsstücken ein neues Leben eingehaucht. Dieser Artikel zeigt Dir, wo und wie Du aussortierte Kleidung am besten spenden kannst und listet deutsche Kleiderspende-Organisationen.

Check-FaktWerde Mitglied in der Bücherei! So hast du jederzeit Zugriff auf eine Riesenauswahl an Büchern, ohne sie kaufen zu müssen. Auch viele andere Dinge kann man leihen statt kaufen. Bei vielen Baumärkten kannst Du dir Bohrmaschine und Co mittlerweile für ein paar Stunden oder Tage mieten.

Check-FaktWerde Mitglied in der Bücherei! So hast du jederzeit Zugriff auf eine Riesenauswahl an Büchern, ohne sie kaufen zu müssen. Auch viele andere Dinge kann man leihen statt kaufen. Bei vielen Baumärkten kannst Du dir Bohrmaschine und Co mittlerweile für ein paar Stunden oder Tage mieten.

Wiederverwertung und richtige Entsorgung sind wichtige Faktoren in der Kreislaufwirtschaft.

Cradle to Cradle

Cradle to Cradle nennt sich eine Wirtschaftsphilosophie, die eine vollständige Kreislaufwirtschaft zum Ziel hat. Die meisten Materialien und Produkte landen nach ihrer Nutzungsdauer auf dem Müll und werden auf Deponien gelagert oder verbrannt. Die Nutzungsdauer kann dabei mehrere Jahre oder aber nur ein paar Minuten betragen. Bei dem Cradle-to-Cradle-Prinzip soll bei der Herstellung eines Produkts bereits an seine Weiterverwertung gedacht werden. Die Produktion soll also kreisförmig verlaufen, sodass jeder Bestandteil eines Produktes am Ende wiederverwertet werden kann. Dieser Artikel erklärt anschaulich, was Cradle to Cradle genau bedeutet, wie es umgesetzt werden kann und wo das Prinzip bereits zum Einsatz kommt.

Wiederverwertung und richtige Entsorgung sind wichtige Faktoren in der Kreislaufwirtschaft.

Fazit

Die Themen Nachhaltigkeit und Müllvermeidung sind aktueller als je zuvor und das zu Recht. Jährlich gelangen mehr als 10 Millionen Tonnen Abfälle in unsere Ozeane[6] und vergiften Tiere und Pflanzen. Sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft findet ein Umdenken statt. Immer mehr Menschen wollen ihren Teil leisten, um die Umwelt zu schützen und Müll zu vermeiden. Der Zero-Waste-Lifestyle bietet viele nützliche Ansätze, um im Alltag sinnvoll Plastikmüll zu reduzieren oder sogar zu vermeiden. Durch praktische Upcycling-Projekte kannst Du vielen alten Kleidungsstücken ein neues Leben schenken. Was nicht beim Upcycling zum Einsatz kommt, kann durch Kleiderspenden an Bedürftige weitergegeben werden. Zukunftsorientierte Ansätze wie die Cradle-to-Cradle-Philosophie zeigen, dass eine vollständige Kreislaufwirtschaft durchaus möglich ist.

Du solltest aber dem Impuls widerstehen, einfach alle Einwegprodukte und Plastikverpackungen aus Deinem Haushalt zu entsorgen. Zero Waste bedeutet auch Ressourcen zu schonen. Besser ist es also, angebrochene Produkte aufzubrauchen und dann gegen eine nachhaltigere Alternative und Mehrweg-Lösungen auszutauschen.

Quellen:

[1] https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/deutschland-abfall-in-zahlen-100.html
(zuletzt geprüft 17.02.2021)

[2] https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/plastikmuell-nur-16-prozent-werden-in-deutschland-wiederverwendet-a-1271125.html
(zuletzt geprüft 19.02.2021)

[3] https://www.tagesspiegel.de/wissen/folgen-der-plastikflut-jeder-isst-und-trinkt-bis-zu-fuenf-gramm-mikroplastik-pro-woche/24452618.html
(zuletzt geprüft 23.02.2021)

[4] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/einwegplastik-wird-verboten-1763390
(zuletzt geprüft am 23.02.2021)

[5] https://fink.hamburg/2017/06/modekonsum-wie-viel-kleidung-braucht-der-mensch/
(zuletzt geprüft am 23.02.2021)

[6] https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/muellkippemeer.html
(zuletzt geprüft am 23.02.2021)

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Plastikverzicht-Weniger-Weichmacher-im-Blut,plastik416.html
(zuletzt geprüft am 23.02.2021)

https://utopia.de/ratgeber/alufolie-benutzen/
(zuletzt geprüft am 23.02.2021)

Bildquellen:

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