Zero Waste: Lebensmittel in Mehrwegverpackungen.

Zero Waste Tipps – Müllvermeidung im Alltag

Im Schnitt produziert jeder Deutsche im Jahr etwa 535 Kilogramm Müll[1][2]. Das ist mehr als ein Kilo pro Tag. Und obwohl hierzulande fleißig Müll getrennt wird, wird doch nur ein verschwindend geringer Anteil am Ende tatsächlich recycelt und wiederverwendet. Ein Großteil des Mülls landet auf Deponien oder wird verbrannt. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Menschen. Schädliche Emissionen, giftige Verbrennungsgase und Plastikverpackungen, welche selbst nach hunderten von Jahren nicht verrotten, schaden unserem Planeten enorm.

Immer mehr Menschen sind sich heute einig: So kann es nicht weitergehen. Sie sagen „Nein!“ zum Abfall. Zero Waste, zu Deutsch Null Müll, ist eine von Nachhaltigkeit motivierte Lebensphilosophie und strebt nach der Vermeidung von Müll im Alltag. Dabei gelten fünf einfache Grundsätze: vermeiden, reduzieren, wiederverwerten, recyceln, kompostieren. Und zwar in genau dieser Reihenfolge. Viele Bloggerinnen und Blogger sowie nachhaltig motivierte Menschen leben bereits den Zero-Waste-Lifestyle – manche Vorreiter produzieren in einem ganzen Jahr nur so viel Müll, wie in ein Einmachglas passt.

Was zunächst unmöglich klingt, ist am Ende einfacher als gedacht. Wir betrachten mit Dir verschiedene Lebensbereiche und geben wir Tipps, wo und wie Du Abfall im Alltag vermeiden kannst.

Zero Waste im Bad

Für die meisten von uns beginnt der Tag mit dem Gang ins Badezimmer. Bereits hier kannst Du mit der Müllvermeidung anfangen und einen Schritt in Richtung plastikfrei leben machen:

  • Zahnbürsten aus Plastik landen meist nach etwa drei Monaten im Müll. Die nachhaltigere Alternative stellt eine Bambus-Zahnbürste Der nachwachsende Rohstoff ist kompostierbar und die Borsten der Zahnbürsten sind aus Bio-Kunststoff oder Naturborsten hergestellt.

  • Auch bei der Zahnpasta lässt sich Müll einsparen. Viele verpackungsfreie Läden verkaufen mittlerweile Zahnputztabletten, welche nicht nur Plastikmüll, sondern auch Wasser in der Produktion sparen. Die Tabletten kannst Du problemlos in einer Dose oder in einem Glas lagern.

  • Für den Körper gibt’s Seife, für die Haare übrigens auch! Ein Stück Seife hält lange und eignet sich nebenbei auch hervorragend für unterwegs. Zum Transportieren eignen sich zum Beispiel kleine Metalldosen.

  • Wer suchet, der findet: Mittlerweile gibt es sogar für Zahnseide, Rasierapparate und Co. umweltfreundliche Alternativen. Umfangreiche Infos dazu findest Du im Internet. Auch der Austausch mit Freunden und Familie kann Dich auf neue Ideen und Produkte bringen.

Bevor es abends wieder ins Bett geht, steht nochmal ein Besuch im Badezimmer an. Falls Du Schminke trägst und diese am Abend abwaschen willst, gibt es auch hier verpackungsfreie Alternativen zu Abschminktüchern. Waschbare Baumwollpads oder ein einfacher Waschlappen und Seife reichen meist aus, um Kosmetikprodukte und Schweiß aus dem Gesicht zu waschen. Wiederverwendbare Baumwollpads, Tücher oder Waschlappen kannst Du einfach in der Waschmaschine reinigen und immer wieder verwenden.

Zero Waste in der Küche

In deutschen Küchen fallen pro Jahr im Schnitt 60 Kilogramm Biomüll pro Kopf an[3]. Neben Obst- und Gemüseschalen, Kaffeesatz und verwelkten Schnittblumen landen leider auch eine Menge verdorbener Lebensmittel im Biomüll. Aufgrund falscher Lagerung und Kalkulation verderben frische Lebensmittel und werden weggeworfen, wenn sie nicht mehr genießbar sind. Durch gute Planung und Lagerung lässt sich der Biomüll stark reduzieren. Im Internet findest Du zahlreiche Tipps zur richtigen Lagerung von Obst und Gemüse und vielleicht haben Deine Eltern und Großeltern hier auch noch den ein oder anderen praktischen Tipp parat.

Für die Lagerung von trockenen Lebensmitteln eigenen sich große Einmachgläser hervorragend. Um diese nicht neu kaufen zu müssen, kannst Du einfach die Gläser von Apfelmus, sauren Gurken und Co. gründlich ausspülen und weiterverwenden. Die Gläser sind luftdicht, spülmaschinenfest und halten (von eventuellen Stürzen mal abgesehen) ewig.


Mehrweggeschirr und Jutetaschen helfen im Alltag Verpackungsmüll einzusparen.

Auch beim Kaffeetrinken kannst Du Müll vermeiden. Kapseln oder Pads, welche heutzutage in vielen Kaffeemaschinen eingesetzt werden, landen nach einer Benutzung im Müll und sind noch dazu sehr teuer. Besser investiert ist das Geld in ein Paket Fair-Trade-Kaffee. Mit einem Espressokocher oder einer French Press lässt sich hervorragender Kaffee kochen und ganz nebenbei auch noch Müll vermeiden.

Strohhalme, Frischhaltefolie, Servietten und andere Einwegprodukte solltest Du aufbrauchen und anschließend durch nachhaltigere Alternativen ersetzen. Strohhalme gibt es mittlerweile aus Glas oder Metall, anstelle von Frischhaltefolie kannst Du Bienenwachstücher verwenden und Servietten gibt es aus Stoff als Mehrwegprodukt. Sicher fallen Dir in Deiner Küche noch mehr Stellen auf, an denen Du Verpackungsmüll und Einwegprodukte gegen nachhaltige Alternativen eintauschen kannst!

Plastikfrei im Haushalt

Auch im Haushalt tummeln sich bei den meisten von uns allerlei Plastikflaschen. Vom Seifenspender im Bad über Waschmittel bis hin zum Spülmittel und Haushaltsreinigern ist so gut wie alles in Plastikdosen oder -flaschen verpackt. Doch auch hier kannst Du sicher die ein oder andere Verpackung einsparen, denn viele Haushaltsmittel lassen sich kinderleicht selbst herstellen. Aus Essig, Zitronensäure, Soda, Natron und Kernseife lässt sich ein breites Spektrum an Reinigungsmitteln einfach zu Hause zusammenstellen. Im Internet findest Du zahlreiche DIY-Rezepte! Lagern kannst Du Deine selbst gemachten Haushaltsmittel entweder in luftdichten Gläsern oder in alten und gründlich ausgespülten Reiniger-Flaschen.

Wem das zu aufwendig ist, der kann auf Alternativen setzen: Handseife gibt es in fester Form, sodass sie ohne Plastikspender auskommt. Achte beim Kauf auf eine Verpackung aus Pappe oder kaufe gleich im Unverpackt-Laden ein. Beim Waschmittel solltest Du im Supermarkt zum Pulver greifen. Diese zeichnen sich meist durch eine bessere Waschleistung aus, kommen häufig ohne Konservierungsstoffe aus und sind in einem recycelbaren Pappkarton verpackt.

AchtungHaushaltsmittel selbst herstellen hat eine lange Tradition und ist einfacher als gedacht. Frag doch mal Deine Eltern und Großeltern nach ihren Lieblings-Haushaltstricks!

AchtungHaushaltsmittel selbst herstellen hat eine lange Tradition und ist einfacher als gedacht. Frag doch mal Deine Eltern und Großeltern nach ihren Lieblings-Haushaltstricks!

Unverpackt unterwegs

Gerade unterwegs fällt schnell mal Verpackungsmüll an. Wer sich sein Frühstück oder Mittagessen mit ins Büro, in die Uni oder in die Schule nimmt, kann jedoch auch hier mit ein paar einfachen Tricks Abfall vermeiden.

Müllvermeidung unterwegs – die Basics

Alternativen zu Alufolie und Brötchentüte gibt es zahlreiche. Brotdosen aus Glas, Metall oder BPA-freiem Plastik sind einfach zu reinigen und wiederverwendbar. Bienenwachstücher sind fast genauso flexibel wie Alufolie und lassen sich einfach abwaschen und wiederverwenden. Die Bienenwachstücher sind außerdem ökologisch und gesundheitlich unbedenklich. Wenn Du mit Nadel und Faden umgehen kannst, ist sicher auch unsere Anleitung für DIY-Brotbeutel etwas für Dich. Obst, Nüsse und andere Snacks lassen sich auch in Gläser oder wiederverwendbare Beutel abfüllen und sind im Büro immer griffbereit. So lässt sich sicher der ein oder andere Gang zum Süßwaren-Automaten und damit auch Plastikmüll vermeiden.

Für den Kaffee aus dem Coffeeshop kannst Du in der Regel Deinen eigenen Mehrwegbecher mitbringen. In manchen Cafés sparst Du dabei sogar ein paar Cents! Das Glas Wasser zum Kaffee sollte übrigens aus der Leitung kommen. Deutsches Leitungswasser hat Trinkwasserqualität und wer in eine Trinkflasche aus Edelstahl, Glas oder BPA-freiem Plastik investiert, der spart auf lange Sicht nicht nur Geld, sondern auch lästiges Kistenschleppen. Verschiedene Initiativen belohnen die Nutzung wiederverwendbarer Flaschen – teilnehmende Läden kennzeichnen mit einem Schild, dass sie Dir Deine Flasche gern kostenlos auffüllen.

CheckIn vielen Cafés bekommst Du den Coffee-to-go günstiger, wenn Du einen Mehrwegbecher mitbringst. Am besten hast Du auch gleich die Brotdose für das belegte Brötchen dabei!

CheckIn vielen Cafés bekommst Du den Coffee-to-go günstiger, wenn Du einen Mehrwegbecher mitbringst. Am besten hast Du auch gleich die Brotdose für das belegte Brötchen dabei!

Zum Zero-Waste-Lifestyle gehört auch eine umweltbewusste Fortbewegung. Idealerweise bist Du also zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern fördert auch noch die eigene Gesundheit. Ist das nicht möglich, bilden Fahrgemeinschaften oder öffentliche Verkehrsmittel die beste Alternative. Viele Nahverkehrsbetriebe bieten mittlerweile eine eigene App an, um Tickets zu kaufen. Papiermüll durch den Ticketkauf kannst Du so vermeiden. Auch Kinos, Theater, Konzerte und andere Kulturveranstaltungen bieten mittlerweile Onlinetickets an. Informiere Dich am besten im Vorfeld, ob ein Ticket oder eine Eintrittskarte tatsächlich ausgedruckt werden muss.

Nachhaltig auswärts essen

Du gehst abends essen und weißt schon, dass die Portionen riesig sind? Dann pack am besten gleich Deine Brotdose mit ein. So lassen sich Styropor- und Aluminiumverpackungen vermeiden und es muss nichts weggeworfen werden. Und wenn danach noch ein Besuch in der Eisdiele ansteht, einfach den Becher weglassen und das Eis aus der Waffel essen. Auch auf Trinkhalme kannst Du komplett verzichten. Viele Getränke lassen sich problemlos ohne Strohhalm trinken und für zu Hause gibt es nachhaltige Alternativen aus Glas oder Edelstahl. Auch Einweg-Besteck lässt sich auf diese Weise vermeiden. Reisebesteck aus Edelstahl oder Holz nimmt nicht viel Platz weg und ist wesentlich stabiler und nachhaltiger als die Plastik-Variante.

Zero Waste Einkauf

Zero Waste einzukaufen – also beim Einkauf keinen Müll zu produzieren – will gelernt sein. An jeder Ecke lauern Verpackungsmüll, Kassenbons und Plastiktüten. Einkaufen gänzlich zu vermeiden ist für die allermeisten von uns jedoch nicht möglich. Daher ist hier das wie entscheidend. Unsere Tipps erleichtern Dir den Einstieg und zeigen Dir, wie Du beim Einkaufen geschickt Abfall vermeiden kannst. Ganz allgemein gilt:

  • Egal ob Lebensmittel oder Kleidung: Schreib Dir im Vorfeld eine Liste! Auf diese Weise behältst Du den Überblick und kaufst auch wirklich nur, was Du benötigst.
Lebensmittelkauf im Unverpackt-Laden.
  • Jutebeutel oder andere Mehrwegtaschen solltest Du unterwegs immer dabeihaben. Die ökologischen Alternativen zur Plastiktüte lassen sich platzsparend verstauen und Du musst keine Tüten an der Kasse mehr kaufen. Bonus: Dabei sparst Du sogar noch Geld!
  • Auf den Kassenbon verzichtest Du im besten Fall. Manche Geschäfte drucken den Beleg nur noch auf Kundenwunsch aus. So lässt sich ganz einfach Müll vermeiden.

HinweisZwar bieten mittlerweile immer mehr Läden recycelbare Kassenbons an, verzichten solltest Du trotzdem, wo immer möglich. Für alle nicht-recycelbaren Quittungen gilt: Ab in den Restmüll! Aufgrund der Druckertinte können diese Kassenbelege nicht im Altpapier entsorgt und recycelt werden. Am besten also gleich auf die Quittung verzichten!

HinweisZwar bieten mittlerweile immer mehr Läden recycelbare Kassenbons an, verzichten solltest Du trotzdem, wo immer möglich. Für alle nicht-recycelbaren Quittungen gilt: Ab in den Restmüll! Aufgrund der Druckertinte können diese Kassenbelege nicht im Altpapier entsorgt und recycelt werden. Am besten also gleich auf die Quittung verzichten!

Lebensmittel unverpackt einkaufen

  • Obst und Gemüse werden auf Wochenmärkten und mittlerweile auch schon in vielen Supermärkten verpackungsfrei verkauft, sodass Du diese plastikfrei einkaufen kannst.
  • Auch Brot und Brötchen kannst Du beim Bäcker einfach in einen mitgebrachten Jutebeutel oder eine Baumwolltasche füllen lassen.
  • Manche Supermärkte erlauben sogar schon an Käse- und Fleischtheken mitgebrachte Behältnisse.

Wer einen Unverpackt-Laden in der Stadt hat, hat es besonders leicht. Hier lassen sich auch Müsli, Cornflakes, Kaffee, Tee und Co. in mitgebrachte Einmachgläser und Dosen füllen und so jede Menge Müll vermeiden. Ein weiterer Vorteil von Unverpackt-Läden ist, dass Du genau so viel kaufen kannst, wie Du tatsächlich benötigst.

Die App Too Good To Go und viele Foodsharing-Anbieter bieten weiterhin Supermärkten und Restaurants die Möglichkeit, ihre nicht verwendeten Lebensmittel für wenig Geld oder sogar kostenlos abholen zu lassen. Kurz beim Frühstück durchschauen und vielleicht nach dem Feierabend noch ein Schnäppchen machen!

Zero Waste Tipps beim Shopping

Ob Kleidung oder Haushaltsgeräte, langlebig sollte es sein. Hier lohnt sich die Investition in Qualität und vor allem die Bereitschaft, Dinge auch mal zu reparieren, statt neu zu kaufen. Viele Dinge musst Du auch gar nicht selbst besitzen. Bohrmaschine und Rasenmäher kannst Du Dir mit Deinen Nachbarn teilen oder von Freunden ausleihen. Alte Kleidung kannst Du entweder spenden oder ihnen durch ein bisschen Arbeit an der Nähmaschine neues Leben einhauchen. Upcycling heißt das Stichwort!

Wenn Du neue Sachen kaufst, achte auf Qualität und ein zeitloses Design. So kannst Du das neue T-Shirt auch im nächsten Sommer problemlos tragen.

Fazit

Zero Waste zu leben klingt im ersten Moment nach einer großen Umstellung. In Wirklichkeit sind es aber viele kleine Änderungen, die sich oft leicht in den Alltag integrieren lassen. Natürlich können sich nicht alle den Einkauf auf dem Wochenmarkt leisten oder jeden Weg mit dem Rad zurücklegen. Doch auch die kleinsten Maßnahmen führen früher oder später zu Kostenersparnissen: Durch die Verwendung von Jutebeuteln und wiederverwendbaren Trinkflaschen sparst Du auf lange Sicht nicht nur Plastik, sondern auch Geld. Eine gute Trinkflasche hält ewig und animiert Dich vielleicht sogar dazu, mehr Wasser zu trinken. Lass Dich nicht verunsichern, wenn Du nicht von heute auf morgen komplett verpackungsfrei auskommst. Jede kleine Müllvermeidungsmaßnahme zählt und kleine Schritte erleichtern die Umstellung und führen zu einem bewussteren Umgang mit Verpackungsmüll.

Quellen:

[1] https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/deutschland-abfall-in-zahlen-100.html
(zuletzt geprüft 17.02.2021)

[2] https://www.nationalgeographic.de/planet-or-plastic/2019/01/nur-ein-glas-muell-pro-jahr-mit-zero-waste
(zuletzt geprüft 17.02.2021)

[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/957294/umfrage/bio-und-gruenabfall-pro-kopf-aufkommen-in-deutschland/
(zuletzt geprüft 22.02.2021)

Bildquellen:

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