Lesen lernen in der Vorschule
Frühkindliche Leseförderung und Sprachspiele für Kinder
Je früher Kinder zum Lesen motiviert werden, desto besser: Bereits im Kindergartenalter kann die Lesekompetenz daher durch Vorlesen, die Betrachtung von Bilderbüchern, Sprachspiele und freies Erzählen gefördert werden. Kleine Kinder entdecken voller Neugier ihre Umwelt und interessieren sich auch für Buchstaben und Symbole. Ab dem 5. bis 6. Lebensjahr ist der Spracherwerb abgeschlossen und Kinder entwickeln eine phonologische Bewusstheit. Das ist die Fähigkeit, Laute zu erkennen, ein Gefühl für den Sprachrhythmus aufzubauen und Wörter in Silben zu trennen sowie zu reimen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für das Lesenlernen. Mit kleinen Buchstaben- und Wortspielen können Kinder dabei unterstützt werden. Wir zeigen einfache Übungen und Sprachspiele, mit denen Kinder spielerisch ans Lesen herangeführt werden können.
Warum ist frühkindliche Leseförderung so wichtig?
Frühkindliche Leseförderung ist ein wichtiger Baustein für die sprachliche und kognitive Entwicklung von Kindern. Bereits im Vorschulalter werden wichtige Grundlagen für die sprachliche Kompetenz gelegt, die nicht nur beim Schreiben- und Lesenlernen helfen, sondern auch die Kommunikationsfähigkeiten verbessern. Kinder, die früh mit Büchern und Geschichten in Berührung kommen, entwickeln ein besseres Sprachverständnis, einen grösseren Wortschatz und ein ausgeprägteres Sprachgefühl. Diese Fähigkeiten erleichtern es ihnen, den Übergang in die Schule zu meistern und später auch komplexere Lerninhalte zu verstehen.
Beim Lesenlernen in der Vorschule gilt daher: Je früher, desto besser. Folgende Bausteine sind dabei besonders wichtig für die frühkindliche Leseförderung:
Vorlesen: Regelmässiges Vorlesen weckt das Interesse an Büchern, unterstützt die Sprachentwicklung, erweitert den Wortschatz und stärkt die phonologische Bewusstheit.
Bibliotheksbesuche: Besuche in der Bibliothek ermöglichen Kindern den Zugang zu einer vielfältigen Auswahl an Büchern und machen neugierig aufs Lesen. Viele Bibliotheken bieten zudem spezielle Programme und Veranstaltungen für Kinder an.
Abwechslungsreiche Bücherauswahl: Kinder profitieren von einer breiten Auswahl an Büchern, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen und zu ihren Interessen passen.
Sprach- und Lesespiele: Gemeinsames Singen, Reimen und Erzählen von Geschichten fördert die Sprachentwicklung spielerisch und ganz nebenbei. Sie helfen dabei, das Gehör für Laute, Silben und Rhythmen zu schärfen und legen so eine wichtige Grundlage für das spätere Lesen- und Schreibenlernen.
Spielerisch lesen lernen: Laute und Buchstaben
Bevor dein Kind anfängt zu lesen, muss es zuerst die Laute und Buchstaben kennenlernen. Vermutlich wird es schon im Vorschulalter anfangen, dich nach Buchstaben zu fragen. Dann ist es wichtig, diese Neugier zu unterstützen und mit leichten Sprach- und Lesespielen zu fördern.
1. Sprachspiel für Kinder: Ich sehe was, was du nicht siehst
„Ich sehe was, was du nicht siehst“ eignet sich hervorragend als Spiel zum Lernen und Verstehen von Buchstaben. Dazu wird ein Gegenstand mit dem passenden Buchstaben verbunden, zum Beispiel „Ich sehe was, was du nicht siehst und es beginnt mit N“. Um den Gegenstand zu finden, müssen Kinder dann den Laut erkennen und mit einem Wort verknüpfen.
Achte darauf, die Buchstaben lauttreu auszusprechen, das heisst zum Beispiel „F“ statt „eF“ oder „K“ statt „Ka“. So entwickeln Kinder ein Gehör für die Laute.
2. Sprachspiel für Kinder: Buchstaben veranschaulichen
Um Laute zu festigen, können die entsprechenden Buchstaben auf spielerische Weise veranschaulicht werden. So können Buchstaben beispielsweise aus Knete geformt oder als Umrisse auf Papier gezeichnet und ausgemalt werden. Buchstabenfolgen lassen sich wiederum mit Klängen verbinden. Ausserdem werden den Buchstabenfolgen Klänge verliehen. Dabei kann unter anderem das Vorlesen helfen.
3. Sprachspiel für Kinder: Mit Memory Buchstaben und Bilder verbinden
Auch Memory ist ein beliebtes Spiel bei den Kleinen und kann wunderbar beim spielerischen Lesenlernen in der Vorschule helfen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Spiel zu gestalten.
Variante 1 – Paare suchen:
Kleine Karten werden mit verschiedenen Paaren versehen und verdeckt auf einem Tisch ausgelegt. Die Paare können beispielsweise aus Gross- und Kleinbuchstaben oder aus zusammengehörigen Buchstaben und Bildern bestehen. Anschliessend werden jeweils zwei Karten aufgedeckt. Das Ziel besteht darin, die zusammengehörigen Buchstaben bzw. Bilder zu finden.
Variante 2 – Gegenstände merken:
Für diese Variante werden verschiedene Gegenstände gesammelt und auf einem Tisch ausgebreitet. Die Kinder haben kurz Zeit, um sich möglichst viele davon einzuprägen. Anschliessend werden die Gegenstände mit einem Tuch abgedeckt. Nun gilt es, die Gegenstände zu beschreiben. Dabei muss ein zuvor festgelegter Buchstabe bzw. Laut verwendet werden. Wird beispielsweise der Laut „G“ vorgegeben, können die Gegenstände mit Wörtern beschrieben werden, die mit „G“ beginnen. Aus einer Dose wird dann beispielsweise eine „gelbe Dose“ oder eine „grosse Dose“.
Lesen lernen in der Vorschule: Tipps zum Lernen von schwierigen Buchstaben
Manche Buchstaben können eine grössere Herausforderung sein als andere. Beispielsweise ist die Aussprache des „B“ und des „P“ für Kinder teilweise schwierig zu unterscheiden. Die folgende Übung kann dabei helfen, die unterschiedlichen Laute spielerisch wahrzunehmen:
Legt kleine Wattebällchen nebeneinander auf einen Tisch.
Die Kinder versuchen, die Bällchen wegzupusten, indem sie den Laut „B“ aussprechen. Dabei bewegt sich der Watteball nur langsam.
Anschliessend können die Kinder versuchen, die Bällchen mit dem Laut „P” nach vorne zu pusten. Das sollte deutlich leichter funktionieren.
Danach können gemeinsam Wörter gesammelt werden, die mit „B“ oder „P“ beginnen. Durch den direkten Vergleich lassen sich die Unterschiede zwischen den beiden Lauten herausarbeiten.
Auch das „S“ bringt ein paar Stolpersteine mit sich, denn manchmal wird es hart und manchmal weich ausgesprochen. Die unterschiedliche Aussprache lässt sich ebenfalls spielerisch üben:
Die Kinder legen sich mit geschlossenen Augen auf den Boden.
Ein Elternteil schlüpft die Rolle einer Biene oder einer Hornisse und macht je nach Insekt unterschiedliche S-Laute.
Nähert sich die Biene, darf sie auf den Kindern landen. Nähert sich allerdings die Hornisse, müssen die Kind weglaufen und sie verscheuchen.
Gesang kann beim Unterscheiden zwischen Vokalen und Konsonanten helfen. Vokale können gesungen werden, während das bei Konsonanten nicht funktioniert.
Spielerisch lesen lernen: Silbentrennung üben
Nachdem Kinder die verschiedenen Laute und Buchstaben kennengelernt haben und wissen, wie sie miteinander verbunden werden, folgt der nächste Schritt beim Lesenlernen: die Silbentrennung. So entwickeln Kinder ein Gefühl für die Länge eines Wortes.
Ein beliebtes Spiel zur Sprachentwicklung ist das Silben klatschen. Dafür wird zunächst ein beliebiges Wort ausgewählt. Zu Beginn eignen sich kurze Wörter mit wenigen Silben. Die Wortlänge kann nach und nach gesteigert werden. Die Kinder sprechen das Wort langsam aus und klatschen nach jeder Silbe einmal in die Hände. Das Spiel kann auch abgewandelt werden: Anstatt zu klatschen, werfen die Kinder nach jeder Silbe einen Ball hin und her.
Eine andere Variante ist das Silben laufen, das sich problemlos während eines Spaziergangs einbauen lässt. Dafür eignet sich beispielsweise der folgende Spruch: „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ein. Hacke, Spitze, hoch das Bein!“ Bei den ersten drei Wörtern wird nach jeder Silbe ein Schritt nach vorn gemacht. Anschliessend werden die Bewegungen entsprechend des Spruchs ausgeführt.
Eltern sollten die Sprach- und Leseübungen regelmässig in den Alltag einbinden und dabei zwischen den Spielen variieren, damit ihr Kind das Interesse am Lernen behält.
Spielerisch lesen lernen: Sprachgefühl mit Hilfe von Gesang und Reimen fördern
Ein weiterer Schritt zum Lesenlernen in der Vorschule ist es, die Bedeutung von Wörtern kennenzulernen. Welche Worte was beschreiben, können Eltern ihren Kindern mithilfe von Karten spielerisch beibringen. Dafür eignen sich Bilder aus einem Themenbereich, der Kinder besonders interessiert. Für Kinder, die Tiere mögen, kann die eine Hälfte der Karten mit Tiernamen beschriftet und die andere Hälfte mit den passenden Tierbildern beklebt werden. Anschliessend muss das Kind versuchen, die Namen den passenden Bildern zuzuordnen.
Um ein Gefühl für Wörter und ihre Klangstruktur zu entwickeln, können Eltern und Kinder auch gemeinsam reimen. Dafür sind keine Hilfsmittel erforderlich. Es werden einfach abwechselnd Wörter gesucht, die sich aufeinander reimen. Das Spiel wird so lange fortgesetzt, bis niemand mehr ein passendes Wort findet.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kinderreime, die gemeinsam aufgesagt werden können. Einige Beispiele sind:
Backe, backe, Kuchen
Backe, backe, Kuchen,
der Bäcker hat gerufen!
Wer will guten Kuchen backen,
der muss haben sieben Sachen:
Eier und Schmalz, Butter und Salz,
Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl!
Schieb, schieb in’n Ofen rein.
Das ist der Daumen
Das ist der Daumen,
der schüttelt die Pflaumen,
der hebt sie auf,
der trägt sie nach Haus,
der kleine Schelm isst sie alle auf.
Bienchen, Bienchen
Bienchen, Bienchen,
summ – summ summ,
um die Blumen summ herum!
Tauch hinein dein Köpfchen,
hol die Nektartröpfchen,
flieg zurück zum Bienenhaus,
mach uns süssen Honig draus.
Fazit: Sprachspiele für Kinder zur frühkindlichen Leseförderung
Bevor Kinder anfangen zu lesen, müssen sie Laute, Buchstaben und Wörter verstehen. Das können Eltern ihren Kindern im Vorschulalter mit einfachen Sprach- und Lesespielen beibringen. Auch für ältere Kinder gibt es Lesespiele und auch digitale Lernangebote, die die Lesekompetenz weiter fördern. Meist braucht es dazu nicht einmal viele Hilfsmittel und die Spiele können leicht in den Alltag integriert werden.
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Quellen und weiterführende Informationen
https://www.familie.de/kleinkind/spielideen-lesefoerderung/
(aufgerufen am 09.09.2026)
https://www.kita.de/wissen/vorschule-spiele/
(aufgerufen am 09.09.2026)
https://wortwuchs.net/kinderreime/
(aufgerufen am 09.09.2026)
https://sikjm.ch/lesen-foerdern/themen/fruehe-literale-foerderung/
(aufgerufen am 09.09.2026)
https://medienkindergarten.wien/medienpaedagogik/medienerziehung-im-kindergarten/die-literacy-erziehung-im-kindergarten
(aufgerufen am 09.09.2026)
https://www.sivakids.de/lesen-lernen/
(aufgerufen am 09.09.2026)
https://www.sailer-verlag.de/schule/lehrer/kostenlose-arbeitshilfen/unterrichtspraxis/sprachspiele-fuer-wortschatz-und-satzbildung/
(aufgerufen am 09.09.2026)
https://www.familienleben.ch/kind/schule-ausbildung/lesen-lernen-mit-hirntraining-557
(aufgerufen am 09.09.2026)
Bildquellen in chronologischer Reihenfolge im Text
Titelbild: iStock.com/FatCamera
1. Bild: iStock.com/Liderina
2. Bild: iStock.com/ilmoro100
3. Bild: iStock.com/nilimage











