Tastsinn – Kind steht barfuss auf einem Holzstamm.

Von Barfussweg bis Streichelzoo: die Natur mit dem Tastsinn spielerisch erkunden

Das grösste Sinnesorgan ist unsere Haut. Über sie nehmen wir jederzeit Reize wahr: vom sanften Druck der Kleidung auf der Haut, über eine erfrischende Brise bis zum Kitzeln der Grashalme an den Knöcheln. Obwohl der Tastsinn ständig aktiv ist, nehmen wir nur einen Bruchteil der Dinge bewusst wahr, welche die Haut erfühlt. Um gerade bei Kindern den Tastsinn gezielt zu fördern, könnt ihr zusammen einige Tastspiele in der Natur ausprobieren. Ausserdem lohnen sich jederzeit ein Spaziergang auf einem Barfussweg oder ein Besuch bei einem Streichelzoo oder Kinderbauernhof, um dein Kind vor neue, spannende Herausforderungen zu stellen. Wir zeigen dir, wie du zusammen mit deinem Kind den Tastsinn (neu) entdecken kannst.

Tastspiele für Kinder: den Tastsinn durch Naturerfahrungen fördern

Ein Ausflug in die Natur ist für Kinder ein besonders intensives Erlebnis. Während sie im Wald und auf Wiesen unbändig toben können, solltest du deinem Kind jedoch auch ruhige Momente in der natürlichen Umgebung ermöglichen. Entdeckt zusammen die verschiedenen Pflanzen und Tiere, spielt mit Naturmaterialien und lasst alle Eindrücke des Waldes auf euch wirken. So erlernt dein Kind schon früh einen respektvollen Umgang mit der Natur und versteht den eigenen Körper und die eigenen Sinne gezielt einzusetzen.

Gerade der Tastsinn wird im Alltag oft vernachlässigt. Viel zu oft verlassen wir uns auf das Sehen, um Gegenstände zu identifizieren. Dabei ist vor allem für Kinder der Tastsinn ganz entscheidend, um Gegenstände, Naturmaterialien, Textilien und vieles mehr in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Durch das vorsichtige Fühlen mit den Fingerspitzen trainieren Kinder zudem auf natürliche Weise ihre Feinmotorik. So haben sie es zum Beispiel später in der Schule leichter Schreiben zu lernen. Daher findest du hier einige lehrreiche und kreative Tastspiele, die ihr zusammen als Familie und im Freundeskreis ausprobieren könnt.

AchtungOft wird für das Wort „Tastsinn“ auch der Begriff „taktile Wahrnehmung“ verwendet. Allerdings beschreibt der Begriff „taktil“ eher die Empfindung, berührt zu werden. Wenn wir selbst etwas bewusst ertasten, spricht man von der „haptischen Wahrnehmung“.

AchtungOft wird für das Wort „Tastsinn“ auch der Begriff „taktile Wahrnehmung“ verwendet. Allerdings beschreibt der Begriff „taktil“ eher die Empfindung, berührt zu werden. Wenn wir selbst etwas bewusst ertasten, spricht man von der „haptischen Wahrnehmung“.

Das Fühlmemory

Dieses Spiel könnt ihr entweder mit der ganzen Familie oder in einer Gruppe spielen. Je mehr mitspielen, umso kniffliger und spassiger wird das Spiel. Zur Vorbereitung auf das Tast-Memory muss der Spielleiter verschiedene Naturmaterialien wie Blätter, Äste, Nüsse, Kastanien, Steinchen und viele mehr sammeln. Wichtig dabei ist, dass es jeden Gegenstand zweimal gibt, damit Memory-Paare gebildet werden können. Alle Mitspieler schliessen die Augen und halten ihre Hände hinter dem Rücken. Der Spielleiter gibt jedem Mitspieler einen Gegenstand. Nun haben die Mitspieler einige Minuten Zeit, um ihren Gegenstand genau zu erfühlen. Anschliessend dürfen alle die Augen öffnen und müssen nun ihren Mitspielern den Gegenstand genau beschreiben, um ihren Memory-Partner zu finden.

Die Mystery-Fühlbox

Auch bei diesem Wahrnehmungsspiel sucht der Spielleiter im Vorfeld einige interessante Naturmaterialien. Dann musst du nur noch einen Schuhkarton in ein ideales Tastversteck verwandeln, indem du in die Vorderseite ein Loch schneidest. Dieses sollte am besten rund und so gross sein, dass dein Kind seine Hand leicht in die Kiste hineinstecken kann. Natürlich kannst du die Kiste zusammen mit deinem Kind noch schön gestalten. Um das Spiel zu beginnen, schliesst dein Kind die Augen, während du einen Naturgegenstand in der Kiste platzierst und diese verschliesst. Dein Kind muss nun seine Hand durch die Öffnung stecken und versuchen, den Gegenstand allein durch das Tasten zu erraten.

CheckUm Tasterfahrungen intensiver zu gestalten, kannst du dein Kind dazu animieren, die Beschaffenheit der Oberflächen zu beschreiben. So verknüpft es seine Sinneseindrücke mit Worten und wird dazu angeregt, stärker über das Erfühlte nachzudenken.

CheckUm Tasterfahrungen intensiver zu gestalten, kannst du dein Kind dazu animieren, die Beschaffenheit der Oberflächen zu beschreiben. So verknüpft es seine Sinneseindrücke mit Worten und wird dazu angeregt, stärker über das Erfühlte nachzudenken.

Mandala aus Naturmaterialien

Diese kreative Beschäftigungsmöglichkeit probiert ihr am besten gleich zusammen in der Natur aus. Jeder Spieler erhält dafür ein kleines Körbchen, in dem er verschiedene Materialien sammelt. Hierfür eignen sich Steine, Nüsse und Zweige, aber auch verschiedene Blätter, Grashalme, Blüten oder Erdklumpen. Wenn alle Spieler genügend Materialien gesucht haben, wird es nun Zeit, kleine Naturkunstwerke zu erschaffen. Kleinere Kinder können aus den gesammelten Materialien Bilder legen, während grössere Kinder sich schon an geometrisch schönen Mandalas aus Naturmaterialien versuchen können. Um das Spiel interessanter zu gestalten und die Wahrnehmung in den Fingerspitzen zu fordern, kannst du deinem Kind die Augen dabei verbinden. So muss es nicht nur die gesuchten Materialien durch Ertasten erkennen, sondern auch das Bild blind legen. Das kann für viel Spass sorgen, wenn dein Kind später die Augenbinde abnimmt.

Mandala aus Naturmaterialien – Mandala aus Löwenzahn und Heidekraut.

Die Tast-Schnitzeljagd

Die Tast-Schnitzeljagd könnt ihr gut mit einem Spaziergang verbinden oder als Highlight beim Kindergeburtstag mit der ganzen Gruppe spielen. Dafür bereitest du eine kleine Aufgabenliste mit verschiedenen Texturen vor, wie zum Beispiel:

  • weich
  • hart
  • warm
  • kalt
  • nass
  • trocken
  • samtig
  • zerknittert
  • rau
  • rund
  • seidig
  • spitz
  • glatt
  • scharf

Aufgabe der Kinder ist es jetzt, Gegenstände in der Natur zu finden, die sich so anfühlen. Grössere Kinder können die gefundenen Gegenstände abhaken und daneben schreiben, was sie gefunden haben. Kleinere Kinder könne ihrer Fundsachen zu dir bringen und ihr überlegt gemeinsam, ob der Gegenstand die gesuchten Eigenschaften besitzt.

InformationUm Spaziergänge in der Natur noch interessanter zu gestalten, kannst du immer etwas Knetmasse mitnehmen. Diese könnt ihr nutzen, um gemeinsam Abdrücke von Baumrinden, Steinen, Blätter und vielem mehr zu nehmen. Zusammen könnt ihr dann den Gegenstand mit den Fingerspitzen abtasten und mit dem Abdruck vergleichen. So entdeckt ihr noch viele kleine, spannende Details.

InformationUm Spaziergänge in der Natur noch interessanter zu gestalten, kannst du immer etwas Knetmasse mitnehmen. Diese könnt ihr nutzen, um gemeinsam Abdrücke von Baumrinden, Steinen, Blätter und vielem mehr zu nehmen. Zusammen könnt ihr dann den Gegenstand mit den Fingerspitzen abtasten und mit dem Abdruck vergleichen. So entdeckt ihr noch viele kleine, spannende Details.

Barfusswege: ohne Schuhe die Natur erfühlen

Nicht nur mit den Fingerspitzen, auch mit den Fusssohlen können wir verschiedene Untergründe bewusst wahrnehmen. So ist der Übergang vom harten Asphalt zum weichen Waldboden deutlich an den Fusssohlen spürbar. Noch intensiver nehmen wir solche Feinheiten wahr, wenn wir barfuss gehen. Gras, Sand, Kies oder Lehm fühlen sich ganz unterschiedlich unter den Füssen an und wecken in Kindern den Entdeckergeist.

Um viele verschiedene Untergründe sicher barfuss zu erkunden, lohnt sich ein Abstecher zu einem Barfussweg in deiner Nähe. Hier werden interessante Untergründe nachgebaut und in einer sicheren Umgebung für eure Entdeckungstour bereitgestellt. Das macht Spaziergänge auf dem Barfusspfad zu einem besonderen Erlebnis.

DIY: Mini-Barfusspfad für zuhause

Wer keinen Barfussweg in der Nähe hat, kann auch eine kleine Strecke selbst nachbauen. Dafür benötigst du nur ein paar Kistendeckel oder du schneidest dir aus grossen Pappkartons ein paar flache Deckel zurecht. Anschliessend werden die Deckel mit verschiedenen Materialien wie Kies, Sand, Laub, Rindenmulch oder Erde gefüllt. Nun stellst du sie dicht beieinander und bildest einen kleinen Barfusspfad. Dein Kind kann nun die Schuhe ausziehen und von einer Kiste in die nächste laufen. Lass dir dabei beschreiben, wie sich die verschiedenen Untergründe an den Füssen anfühlen oder probiere es gleich selbst einmal aus.

Ausflugsideen: Streichelzoo & Kinderbauernhof zur Förderung des Tastsinns

Für alle Kinder ist es ein Highlight, Tiere aus nächster Nähe zu sehen und sie sogar zu streicheln. Das weiche Fell unter der Haut fühlt sich dabei nicht nur angenehm an, es kann auch Stress reduzieren und allgemein die Stimmung heben. Durch die direkte Begegnung mit Tieren lernen Kinder ausserdem, auf andere Lebewesen Rücksicht zu nehmen und ihnen einfühlsam entgegenzutreten.

Gleichzeitig kann der Besuch auf einem Kinderbauernhof den Kleinsten ein gutes Verständnis dafür vermitteln, woher unsere Lebensmittel kommen: vom Getreide auf dem Feld, das später zum Brot wird, bis zur Milch, die später zu Butter verarbeitet wird. Die Kinder lernen den natürlichen Kreislauf der Lebensmittel kennen und somit auch wertschätzen.

Damit vereint ein Besuch im Streichelzoo oder Kinderbauernhof viele pädagogisch wichtige Lektionen miteinander. Damit die Begegnung zwischen Tieren und Kindern harmonisch verläuft, findest du hier ein paar nützliche Tipps für euren Ausflug:

Streichelzoo – Kinder im Streichelzoo-Gehege mit Ziegen.
  • Verhaltet euch bei den Tieren am besten so ruhig wie möglich.
  • Fasst die Tiere immer nur sanft und vorsichtig an.
  • Respektiert es, wenn sich die Tiere zurückziehen und nicht gestreichelt werden wollen.
  • Damit die Tiere nicht zu aufgeregt sind, sollte sich dein Kind ihnen erstmal ohne Futter nähern.
  • Hat dein Kind Angst vor den Tieren, dann schaut lieber aus der Ferne erstmal zu und beobachtet das Verhalten der Tiere. Sprecht zusammen darüber und nähert euch langsam, wenn dein Kind dies möchte. Oft hilft es auch, wenn ihr zusammen die Tiere streicheln geht.

Auch nach den Streicheleinheiten solltet ihr immer darüber reflektieren, wie sich das Fell oder das Gefieder eines Tieres angefühlt hat. Zudem könnt ihr darüber sprechen, was dein Kind im Umgang mit den Tieren gelernt hat. So wird euer Ausflug zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Fazit

Von Anfang an entdecken Kinder die Welt durch den Tastsinn. Im Babyalter lernen Sie Gegenstände kennen, indem sie an ihnen nuckeln und sie mit dem Mundraum erfühlen. Später wird alles in die Hand genommen und untersucht, was für kleine Kinder greifbar ist. Auf diese Art und Weise erkunden Kinder die Welt und lernen sie zu verstehen. Um diese kindliche Neugier weiter zu fördern, helfen dir unsere Wahrnehmungsspiele und Ausflugsideen, die du gern auch zusammen mit deinem Kind ausprobieren kannst.

Quellen:

http://www.spatzennest.info/einrichtungen/kinderbauernhof-gross-glienicke/paedagogische-konzeption-des-kinderbauernhofs/
(aufgerufen am 14.05.2021)

https://www.erziehungskunst.de/artikel/bauernhof-statt-streichelzoo-sinnstiftendes-arbeiten-mit-tieren/
(aufgerufen am 14.05.2021)

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