Hüttenwanderung für Anfänger: Tipps zur Planung und Vorbereitung
Wenn du mehrere Tage hintereinander durch alpines Gelände wanderst, erwarten dich einzigartige Naturerlebnisse, aber auch neue körperliche Herausforderungen. Die Planung ist dabei aufwendiger als bei einer normalen Tageswanderung: Die Etappen müssen realistisch geplant, die Übernachtungen im Voraus organisiert und die Ausrüstung sinnvoll reduziert werden. Damit deine erste mehrtägige Wanderung in den Bergen möglichst reibungslos verläuft, haben wir in diesem Artikel einige der wichtigsten Tipps zur Planung einer Hüttenwanderung für Anfänger zusammengestellt.
Hüttenwanderung planen: Von der Etappenplanung bis zur Reservierung der Hütte
Eine mehrtägige Wanderung steht und fällt mit einer durchdachten Planung – das gilt besonders für Wanderungen in alpinem Gelände. Es ist wichtig, dass du realistische Etappen planst und die Schlafplätze schon im Voraus buchst.
Hüttenwanderung für Anfänger: Etappen planen
Auf einer Hüttentour geht es nicht darum, sich an seine körperlichen Grenzen zu wagen. Da du mehrere Tage in alpinem Gelände unterwegs bist, zählen vor allem Belastbarkeit und Ausdauer. Vorab solltest du daher dein Leistungsniveau realistisch einschätzen: Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und eine gute Grundkondition sind wichtige Voraussetzungen für Bergwanderungen. Am besten ist es, wenn du bereits Erfahrungen mit Tageswanderungen im alpinen Gelände gesammelt hast, auf die du zurückgreifen kannst.
Für die Etappenplanung solltest du ungefähr einschätzen können, welche Strecke du in einer bestimmten Zeit schaffen kannst. Die Schweizer Wanderwege und der Schweizer Alpen-Club SAC nennen folgende Richtwerte zur Berechnung der Gehzeit:
ca. 400 Höhenmeter pro Stunde für den Aufstieg
ca. 800 Höhenmeter pro Stunde für den Abstieg
ca. 4 Kilometer horizontal pro Stunde
Diese Faustformeln werden zur Berechnung der Zeitangaben auf den Wegschildern benutzt und orientieren sich am Leistungsniveau eines durchschnittlichen Wanderers. Folgende Tipps lassen sich daraus ableiten, wenn du deine eigene Hüttenwanderung planst:
Berücksichtige deine persönliche Fitness und deine Erfahrung bei Bergwanderungen bei der Auswahl der Etappenlänge. Beachte dabei, dass Bergwanderungen durch die wiederkehrenden Höhenmeter und das anspruchsvolle Terrain im Gebirge zusätzliche Herausforderungen bergen.
Gestalte die erste Etappe eher moderat, um dich auf die körperliche Anstrengung einzustellen und deine Kraftreserven für die nächsten Tage zu sparen.
Wenn der erste Tag deiner Hüttentour auch dein Anreisetag ist, sollte die Etappenlänge 3 bis 4 Stunden nicht überschreiten.
Je nach Kondition und Erfahrung sollten die folgenden Etappen 4 bis 6 Stunden nicht übersteigen.
Sicherheitstipps bei Hüttenwanderungen
Das Wetter in den Bergen kann in kürzester Zeit umschlagen. Wirf vor Etappenbeginn einen Blick in die Wettervorhersage, erkundige dich aber auch bei den Hüttenbetreibern oder entgegenkommenden Wanderern über die aktuellen Bedingungen. Lege dir Alternativrouten zurecht, falls dir das Wetter oder deine Kondition einen Strich durch die ursprüngliche Planung machen.
Wenn du verletzt oder in eine andere Notsituation geraten bist, kannst du folgende Notrufnummern kontaktieren:
Europäische Notrufnummer: 112
Bergwacht Deutschland: 112
Bergrettung Österreich: 140
Bergrettung Schweiz: 1414 bzw. +41 333 333 333
Wichtig: Trage deinen Namen, deine Handynummer und das Ziel deiner Bergwanderung im Hüttenbuch ein, bevor du wieder aufbrichst. Falls du in Schwierigkeiten gerätst, kann die Bergrettung deine Route so besser nachvollziehen bzw. dich leichter finden.
Hüttenwanderung für Anfänger: Schlafplatz rechtzeitig reservieren
Eine spontane Übernachtung ist auf Hütten in der Regel nicht möglich. In der Urlaubssaison bzw. der Ferienzeit oder am Wochenende sind die Hütten meist voll belegt. Vor allem in beliebten Regionen ist daher eine frühzeitige Buchung erforderlich.
Bei der Reservierung solltest du auf einige Punkte achten: Manche Hütten bieten ausschliesslich Matratzenlager oder Zimmerlager, die für 8 bis 10 oder sogar für 10 bis 20 Personen ausgelegt sind. Andere Berghütten bieten etwas geräumigere Mehrbettzimmer, in denen 6 bis 8 Personen übernachten können. In einigen Hütten kannst du jedoch auch Drei- oder Vierbettzimmer buchen, was vor allem empfehlenswert ist, wenn du eine Hüttenwanderung mit Kindern planst.
Die Verpflegung auf der Hütte muss bei der Reservierung der Übernachtungsplätze ebenfalls im Voraus gebucht werden. Oft hast du die Wahl zwischen Frühstück und Halbpension. Vor allem zum Abendbrot wird aus organisatorischen Gründen oft kein Essen à la carte angeboten, weswegen sich auch hier eine frühzeitige Buchung lohnen kann.
Beachte dabei: Auf vielen Hütten ist keine Kartenzahlung möglich, daher solltest du Bargeld mitnehmen.
Wähle die richtige Jahreszeit für deine erste Hüttentour, denn die meisten Hütten unterliegen klaren Saisonzeiten. Viele Hütten öffnen ab Juni ihre Türen für Wanderer. Im Hochgebirge kann noch bis in die Sommermonate Schnee liegen, daher starten die Hütten vor Ort später in die Saison. Im Voralpenland können die Hütten auch früher öffnen. Auch die Winterpause ist abhängig von Wetter bzw. Schneefall. Informiere dich daher auf den Homepages der Hütten über die aktuellen Hüttenöffnungszeiten.
Hüttenwanderung: Ausrüstung für mehrtägige Touren
Zur standardmässigen Wanderausrüstung kommen bei einer Hüttenwanderung einige Dinge hinzu, die speziell für die Hüttentour bzw. deinen Aufenthalt auf der Hütte notwendig sind. Achte trotzdem darauf, deinen Rucksack nicht zu schwer zu beladen. Auf Mehrtagestouren zählt jedes Gramm. Erfahrene Wanderer empfehlen, dass der gepackte Rucksack für mehrtägige Hüttentouren nicht mehr als 8 bis maximal 10 Kilogramm wiegen sollte. Die Kunst liegt darin, leicht und minimalistisch zu packen, aber dennoch die nötige Ausstattung für Sicherheit und Komfort dabeizuhaben.
Einen Überblick über die grundlegende Ausrüstung für Wanderungen bietet dir unser übersichtliches Checklisten-PDF:
Packliste für mehrtägige Wanderungen
Welche (zusätzliche) Hüttentouren-Ausrüstung unbedingt erforderlich ist, haben wir nachfolgend gelistet:
Ausrüstung für Hüttentouren:
wasserdichte Bergwanderschuhe mit Schaft und profilierter Sohle
gepolsterte Wandersocken
Funktionskleidung, angepasst an verschiedene Witterungen
Wanderstöcke
mittelgrosser Wanderrucksack oder Trekkingrucksack (ca. 35-50 Liter)
Rucksack-Regenhülle
Sonnenschutz (Sonnencreme, Kopfbedeckung, Sonnenbrille)
Erste-Hilfe-Set (inkl. Blasenpflaster)
Handy (inkl. Powerbank)
Offline-Kartenmaterial oder gedruckte Wanderkarten
Proviant und Wasser in einer nachfüllbaren Trinkflasche
Ausrüstung für die Hüttenübernachtung:
Hüttenschlafsack: Obwohl Bettdecken auf den meisten Hütten vorhanden sind, ist ein Hüttenschlafsack aus hygienischen Gründen obligatorisch.
Hüttenschuhe: Im Innenraum der Hütten solltest du zu sauberen Hausschuhen wechseln, um mit deinen Wanderschuhen nicht zu viel Dreck hineinzutragen.
Ohrstöpsel: In grösseren Schlafräumen schläfst du mit Ohrstöpseln ruhiger.
Bargeld
Bequeme Wechselsachen (inkl. trockene Wechselsocken)
Kulturbeutel mit Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, Deo und kleinem Handtuch (+ persönliche Hygieneartikel/Medikamente)
Beutel für schmutzige Wäsche
Mitgliederausweis SAC und ggf. Ausweis
Wenn du eine Hüttenwanderung mit der Familie planst, kommen natürlich noch einige weitere Gegenstände hinzu. Ein vertrautes Kuscheltier, ein Spielzeug oder auch ein Kartenspiel gestalten den Aufenthalt in unbekannter Umgebung angenehmer für dein Kind und ermöglichen euch, nach einer anstrengenden Wanderung gemeinsam zur Ruhe zu kommen.
Beachte, dass das Wasser auf Hütten nicht immer Trinkwasserqualität aufweist. Im Sanitärbereich kannst du zum Beispiel Hinweisschilder wie „Kein Trinkwasser“ entdecken. Auch Wasser aus natürlichen Quellen ist nicht immer unbedenklich trinkbar. Vor allem Wasser aus stehenden Gewässern und Wasserquellen unterhalb von Berghütten oder Weideflächen solltest du vermeiden. Wenn du während Hüttentouren deine Wasservorräte auffüllen willst, solltest du eine Flasche mit einem eingebauten Filtersystem nutzen oder Tabletten zur Wasseraufbereitung dabeihaben.
Hüttenwanderung für Anfänger: Hüttenknigge und Verhaltensregeln
Eine Berghütte ist kein Hotel. Die Übernachtung auf einer Hütte erfordert gegenseitige Rücksichtnahme, da viele Wanderer auf engstem Raum zusammenkommen. Hier findest du einige der wichtigsten Verhaltensregeln bzw. Tipps rund um den „Hüttenknigge“, die du kennen solltest, bevor du zu deiner ersten Hüttentour aufbrichst:
Halte dich an die Hinweise bzw. Richtlinien der Hüttenbetreiber (z. B. zur Rucksackaufbewahrung).
Bring einen eigenen Hüttenschlafsack und saubere Hüttenschuhe mit.
Lass dreckige Wanderschuhe, nasse Kleidung und die Wanderstöcke im Trockenraum, um die Schlafräume möglichst sauber zu halten.
Gib dem Hüttenteam Bescheid, falls du dich verspätest. Storniere Reservierungen, die du nicht mehr wahrnehmen kannst.
Respektiere die Nachtruhe und vermeide unnötige Störungen. Eine Taschen- oder Stirnlampe ist hilfreich, falls du nachts zur Toilette musst.
Packe bereits am Vorabend deinen Rucksack. Wenn du frühzeitig aufbrechen willst, hast du alles parat und kannst den Schlafraum möglichst leise verlassen.
Achte ausserdem darauf, dass viele Hütten mit begrenzten Wasser- und Energieressourcen arbeiten und gehe sparsam mit diesen Gütern um:
Nutze den Stromsparmodus deiner elektrischen Geräte und schalte unnötige Funktionen aus (z. B. Bluetooth). Für den Aufenthalt auf der Hütte kannst du nicht genutzte Geräte auch ganz ausschalten. Lade deine Geräte nur über mitgebrachte Powerbanks.
Versuche, möglichst wenig Abfall zu produzieren, und nimm deinen (Verpackungs-)Abfall wieder mit zurück ins Tal.
Gehe mit Wasser sparsam um. Lass den Wasserhahn nicht zu lang durchgehend laufen. Dusche nur, wenn es absolut nötig ist – nur kurz und eventuell sogar kalt.
Fazit: Hüttenwanderung für Anfänger realistisch planen
Eine Hüttenwanderung erfordert eine gute Vorbereitung: von der rechtzeitigen Reservierung des Schlafplatzes über die Planung der Etappen bis hin zum sorgfältig gepackten Rucksack. Insbesondere, wenn du zum ersten Mal eine mehrtägige Wanderung planst, zahlt sich hier eine sorgfältige Planung aus. Ausserdem solltest du auf die Besonderheiten vorbereitet sein, die zum „Hüttenleben“ dazugehören. Gegenseitige Rücksichtnahme, ein sparsamer Umgang mit knappen Ressourcen und Sauberkeit am Schlafplatz sind das A und O, damit sich alle Bergwanderer gleichermassen wohlfühlen und Kraft tanken können.
______________________________________________
Quellen und weiterführende Informationen
https://www.sac-cas.ch/
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.sac-cas.ch/de/die-alpen/die-praktische-wanderzeitformel-25135/
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.schweizer-wanderwege.ch/de/wissen/signalisation/wanderzeit
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.sicher-bergwandern.ch/de/gut-geplant
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.alpenverein.de/artikel/planen-huettentour_d47ee332-c386-4d22-b4b1-73c54799e899
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.sac-cas.ch/de/ausbildung-und-sicherheit/tourenplanung/ablauf-einer-tourenplanung/
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.sac-cas.ch/de/ausruestungsliste-berg-und-alpinwandern/
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.schweizer-huetten.ch/fuer-unsere-huettengaeste/huettenknigge
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.sac-cas.ch/de/huetten-und-touren/sac-huetten/huetten-informationen/
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.outdoor-magazin.com/wandertipps/10-goldene-regeln-fuer-huettenuebernachtungen/
(abgerufen am 18.12.2025)
https://www.bergwelten.com/a/8-tipps-so-reduzierst-du-muell-und-energie-auf-huetten
(abgerufen am 18.12.2025)
Bildquellen in chronologischer Reihenfolge im Text
Titelbild: ARochau – stock.adobe.com
1. Bild im Text: Nailia Schwarz – stock.adobe.com
2. & 3. Bild im Text: Andreas P – stock.adobe.com
Werde Member und erhalte 10% Willkommensbonus*
Sichere dir exklusive Vorteile und Angebote!
* Unser Willkommensbonus ist 30 Tage lang gültig und kann nur einmal genutzt werden, entweder in einem unserer Geschäfte in der Schweiz, im Online-Shop oder in unserer App. Es ist nicht kombinierbar mit anderen C&A for you Angeboten und Rabatten. Weitere Informationen zu den Mitgliedschaftbestimmungen findest du auf www.c-and-a.com/ch/de/shop/foryou#termsconditions









